Hochwasser in Kroatien: Aufräumarbeiten sorgen für Zwist

2. Juli 2014, 13:09
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Betroffene im Hochwassergebiet fühlen sich vernachlässigt - Hilfsgelder des Roten Kreuzes noch unangetastet

Zagreb - Fast zwei Monate nach dem Hochwasser im Osten Kroatiens geht die Versorgung mit Lebens- und Hilfsmitteln nur schleppend voran. Nach großen Solidaritätsbekundungen und Spendenaktionen während der Katastrophe im Mai scheinen die Leiden der Betroffenen sechs Wochen später vergessen. Die Hilfsgelder liegen auf der Bank, die verantwortlichen Behörden warfen sich unterdessen gegenseitig Versagen vor.

So sammelte etwa das kroatische Rote Kreuz 62 Millionen Kuna (knapp 8,2 Mio. Euro) Spenden für Betroffene in Gunja, Drenovci, Vrbanja und andere Ortschaften, die teilweise völlig überflutet wurden. Weil es aber noch kein Konzept gibt, wie und an wen das Geld ausgezahlt werden soll, wurde es schließlich auf einer Bank eingezahlt, damit es Zinsen abwirft.

Innenminister kritisiert Rotes Kreuz

Die scharfe Kritik folgte prompt, unter anderem von Innenminister Ranko Ostojic, der es als Aufgabe des Roten Kreuzes ansieht, Evidenz über die Betroffenen zu führen und Hilfsmaßnahmen an Ort und Stelle einzuleiten. Hrvoje Lucic, Vorsteher der Ortschaft Gunja, die vollkommen unter Wasser stand, warf der Hilfsorganisation vor, Gunja im Stich gelassen zu haben und unter anderem kein Essen geliefert zu haben.

In Gunja müssen 300 Häuser renoviert oder abgerissen und neu errichtet werden, Arbeitsmaterial fehlte bis vor einer Woche. Außerdem gibt es in Gunja noch immer keinen Strom. Gearbeitet wird mit Notstromaggregaten. In einem Fall gab es ein tragisches Ende: Ein 14-Jähriger erstickte bei Aufräumarbeiten.

Weiteres Problem aufgetaucht

Das Rote Kreuz reagierte tief betroffen auf die Vorwürfe, und rechtfertigte sich mit dem Argument, dass Gunja wegen Seuchengefahr abgesperrt gewesen sei. Die Zustellung und Zubereitung von Essen war nicht möglich. Arbeitsmaterial für Aufräumarbeiten in Form von Stiefeln, Schaufeln und anderem sei geliefert worden, hielt die Organisation fest.

Der Streit um die Hilfsgelder offenbarte jedoch ein anderes Problem. Denn nicht alle Hauseigentümer, die Hilfe beantragt haben, haben wirklich einen Schaden durch die Flut erlitten. Sie wurden nur präventiv in Sicherheit gebracht. Laut Rotem Kreuz waren 8.723 Menschen vom Hochwasser betroffen. Pro Person würden 4.000 Kuna ausgezahlt. Zu Verfügung steht vorläufig nur ein Teil des vom Roten Kreuz gesammelten Geldes, 35 Millionen Kuna. Vertreter der Organisation, der Gespanschaft Vukovar-Srijem sowie einzelner Ortschaften vereinbarten, nachdem sich die Gemüter nach Streitigkeiten beruhigt hatten, dass die Auszahlung der Hilfsgelder an die Hochwasseropfer diese Woche beginnen soll.

Zu viele Menschen auf Liste

Laut den Gemeindevertretern stehen allerdings 3.000 Personen zu viel auf der Rot-Kreuz-Liste. "Wir wissen alle ganz genau, wer in welchem Dorf wohnt und wessen Haus überflutet wurde", sagte Gunja-Vorsteher Lucic gegenüber Medien. Betroffene, die fiktiv ihre Wohnsitze in Gunja oder anderen Ortschaften hatten, aber eigentlich woanders leben, werden demnach leer ausgehen.

Premier Zoran Milanovic kündigte am Dienstag bei einem Besuch in Gunja an, dass die Aufräumarbeiten kommende Woche starten würden. "Die Leute werden so schnell wie möglich in ihre Häuser zurückkehren, aber die Prozeduren brauchen ihre Zeit", so der Premier. Der Staat habe die Kosten für die Gebäuderenovierungen auf sich genommen. Es handle sich um "zig Millionen Kuna", sagte Milanovic. "Das ist jedoch nicht wichtig, das werden wir auftreiben. Ein Problem wäre, wenn es sich um zig Milliarden handeln würde," so Milanovic. (APA, 2.7.2014)

  • Die Ortschaft Gunja war schwer vom Hochwasser betroffen.
    foto: ap photo/davor javorovic, pixsell

    Die Ortschaft Gunja war schwer vom Hochwasser betroffen.

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