Was Junge von ihren Chefs erwarten

3. Juli 2014, 10:56
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Führung wird mit vielen ihrer alten Muster brechen müssen. Für die "Führungskräfte von morgen" zählen vor allem Social Skills, so eine aktuelle Umfrage der Prüfungs- und Beratungsorganisation EY 

Fach- und Methodenkompetenz werden vorausgesetzt. Was die Jungen von einer Führungskraft vor allem erwarten ist Glaubwürdigkeit. An der EY-Studie "Führungskräfte von morgen" nahmen 262 Studierende und Absolventen (vorwiegend der Wirtschaftswissenschaften) zwischen 18 und 30 Jahren teil.

Zu den "wichtigsten Führungsaufgaben" zählen für die Befragten "Verantwortung übernehmen" (85 Prozent), "Teamführung" (85 Prozent) und "Motivation von Mitarbeitern" (75 Prozent). "Visionäre Ideen" (38 Prozent) zählen bei den Jungen ganz offensichtlich nicht mehr viel.

Dazu EY Head of Human Resources Esther Brandner-Richter: "Die Vision wird nicht mehr einer einzigen Person zugeschrieben, sondern ist eher etwas, das im Team entstehen und wachsen kann. Was wiederum deutlich macht, dass eine Führungskraft nur dann erfolgreich sein kann, wenn sie ihr Team auch entsprechend zusammenstellt und auch motiviert." Ebenfalls nicht hoch im Kurs in Sachen Führungsqualität stehen das "Erreichen wirtschaftlicher Ziele" (34 Prozent) und das "Delegieren von Aufgaben" (33 Prozent).

No-Gos in der Führung

Was unter den befragten Studierenden und Absolventen an die Grenzen des Inakzeptablen geht, sind laut Studie Eigenschaften wie "Unzuverlässigkeit" (67 Prozent), "Fehlende Menschlichkeit" (65 Prozent) und "Fehlende Wertschätzung" (53 Prozent). Letztgenanntes zeige laut Brandner-Richter, "dass diese Generation auch großen Wert darauf legt, als Individuum wahrgenommen zu werden. Bekanntlich verlassen Mitarbeiter selten das Unternehmen, sondern ihre Führungskraft."

Ebenfalls Minuspunkte würden Führungskräfte für "Launenhaftigkeit" (für 51 Prozent ein No-Go), "Mangelnde Fachkompetenz" (50 Prozent) und "Mangelnde Selbstreflexion" (47 Prozent) kassieren. Schlechtes Zeitmanagement oder Unerreichbarkeit werden von den Befragten allerdings toleriert.

Wie ticken diese Jungen?

Für die befragten 18- bis 30-Jährigen zählen - laut Untersuchung - Familie und Freunde (79 Prozent), Vertrauen (72 Prozent) und Selbstverwirklichung (55 Prozent) zu den höchsten Werten und Zielen. Esther Brandner-Richter: "Für diese Generation hat Sicherheit einen sehr hohen Stellenwert - höher als in der Vergangenheit." Ebenfalls von Bedeutung scheinen die Balance zwischen "Erfolg im Beruf" (44 Prozent) und "Ausreichend Freizeit" (42 Prozent).

Laut eigenen Angaben engagieren sich 51 Prozent der Befragten gesellschaftlich, tragen familiäre Verantwortung mit (50 Prozent) und setzen sich im Sport ein. Gesundheit und Freizeit seien, laut EY HR-Chefin wichtige Themen dieser Generation.

Geradlinigkeit "kein Erfolgsfaktor"

Dass die Befragten Eigeninitiative (66 Prozent), Lernbereitschaft (65 Prozent) oder Engagement (62 Prozent) als karriererelevant erachten, überrascht nicht. Dass aber "Entscheidungsfreude" (29 Prozent) oder gar "Geradlinigkeit" (13 Prozent) nicht zu den wichtigsten Kompetenzen für den Karriereerfolg gezählt werden, überraschte dann doch.

Dazu EY Country Managing Partner Helmut Maukner: "Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, mir haben meine Geradlinigkeit und Ehrlichkeit immer wieder Türen geöffnet." Geradlinigkeit sei ein wesentlicher karrierefördernder Aspekt, so Maukner weiter. Auch Brandner-Richter sieht diese Eigenschaft von den Befragten unterschätzt: "Eine eigene Meinung zu haben ist wichtig. Verlangt aber andererseits auch Führungskräfte, die das vertragen."

Karenz und Quote

Dass Frauen am Arbeitsmarkt benachteiligt werden, darüber waren sich die Befragten ebenso eher einig (67 Prozent) wie darüber, dass eine Quote dafür keine Lösung sein kann (70 Prozent). Zwei Drittel - darunter Männer und Frauen im gleichen Maß - wünschen sich eine Gleichstellung ohne Quotenregelung.

Als "erfreuliche Überraschung" bezeichneten die Studienautoren, dass ein Drittel der männlichen Studienteilnehmer auf jeden Fall in Karenz gehen möchten, 55 Prozent waren sich darüber noch nicht im Klaren - sie würden sich "im Anlassfall entscheiden". Für 14 Prozent der befragten Männer sei Karenz "keine Option". (Heidi Aichinger, derStandard.at, 3.7.2014)

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