Irak fordert mehr Hilfe von USA im Kampf gegen ISIS 

2. Juli 2014, 08:34
76 Postings

Sonst müsse man bei anderen Ländern Hilfe suchen, sagt der irakische Botschafter in den USA

Bagdad/Teheran - Der Irak fordert von den USA stärkere Unterstützung im Kampf gegen die islamistischen ISIS-Milizen. Andernfalls müsse man bei anderen Ländern Hilfe suchen, sagte der irakische Botschafter in Washington, Lukman Faily, offenbar mit Blick auf den Iran und Russland.

"Wir benötigen verzweifelt US-Hilfe, um das Blatt zu wenden", erklärte Faily nach Angaben der Zeitung "The Hill" am Dienstag. So habe die irakische Regierung mehrfach um die Lieferung von Kampfhubschraubern gebeten. Stattdessen habe man aus Russland Kampfjets erhalten. "Wir haben keine Wahl", sagte der Botschafter. Die Lage zwinge die Regierung, von jeder Seite Hilfe anzunehmen.

Parlamentssitzung im Irak vertagt

Die erste Sitzung des neu gewählten irakischen Parlaments wurde am Dienstag nach einem heftigen Wortwechsel der Abgeordneten auf nächste Woche vertagt. Die Abgeordneten konnten sich nicht auf einen Kandidaten für das Amt des Parlamentspräsidenten einigen. Kurdische und sunnitischen Abgeordnete verließen aus Protest die Sitzung, wie irakische Medien berichteten.

Wahl neuer Führung

Hauptaufgabe des Parlaments ist die Wahl einer neuen politischen Führung. Sie gilt als wesentliche Voraussetzung, um den ISIS-Vormarsch zu stoppen. Der umstrittene schiitische Ministerpräsident Nuri al-Maliki ist seit 2006 im Amt und möchte wiedergewählt werden. Seine Rechtsstaats-Allianz hatte bei der Wahl Ende April die meisten Stimmen erreicht, ihm fehlen aber Koalitionspartner.

Schiitische, sunnitische und kurdische Politiker fordern Malikis Rückzug. Sie werfen ihm vor, seine von Schiiten dominierte Regierung benachteilige Sunniten und habe so den Boden für den ISIS-Vormarsch bereitet. Der Regierungschef ist im Irak ein Schiit, der Präsident ein Kurde und der Parlamentspräsident ein Sunnit.

Vormarsch seit Anfang Juni

Die ISIS hatte Anfang Juni ihren Vormarsch begonnen und beherrscht mittlerweile große Teile im Norden und Westen des Irak. Armee und ISIS-Einheiten liefern sich seit Tagen heftige Gefechte, vor allem um die Stadt Tikrit 170 Kilometer nordwestlich von Bagdad.

Aufruf zum "Heiligen Krieg"

Der Chef der Terrorgruppe, Abu Bakr al-Baghdadi, rief in einer über das Internet verbreiteten Botschaft die Muslime auf, in den "Heiligen Krieg" zu ziehen. Baghdadi kündigte dabei Rache für Unrecht an Muslimen an. "Selbst wenn es eine Weile braucht, wir werden uns rächen", sagte er. Zugleich verhöhnte er Frieden, Freiheit, Demokratie und Säkularismus als "irreführende Slogans" von Ungläubigen.

Kurden planen Referendum über Unabhängigkeit

Die Kurden im Nordirak wollen nach den Worten ihres Präsidenten Massud Barsani innerhalb von Monaten ein Referendum über die Unabhängigkeit vom Irak abhalten. Ein eigener Staat sei ein "natürliches Recht" der Kurden, sagte Barsani in einem BBC-Interview. Der Irak sei schon jetzt geteilt. (APA, 2.7.2014)

Share if you care.