Gewalt nach Mord an palästinensischen Buben

2. Juli 2014, 15:37
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Palästinenser war nach Trauerfeier für jüdische Jugendliche entführt worden - Lage im Westjordanland angespannt

Jerusalem - Nach dem Tod eines palästinensischen Jugendlichen in Jerusalem ist es zu gewaltsamen Zusammenstößen zwischen aufgebrachten Demonstranten und Soldaten gekommen. Der Junge war vermutlich Opfer eines Racheaktes nach der Ermordung dreier jüdischer Teenager. Bewohner von Schuafat, eines arabischen Vororts von Jerusalem, berichteten, der 16-Jährige sei Dienstagabend in der Nähe eines Supermarkts in ein Auto gezerrt und verschleppt worden. Später wurde nach Angaben eines Polizeisprechers eine Leiche gefunden. Aus Kreisen der Palästinenserregierung verlautete, die Eltern des Vermissten hätten den Toten als ihren Sohn identifiziert.

Bahnlinie blockiert

Als der Fund der Leiche bekannt wurde, blockierten Hunderte Palästinenser eine Bahnlinie in Jerusalem und bewarfen Polizisten mit Steinen. Diese feuerten mit Gummigeschossen auf die Palästinenser.

Der arabische Jugendliche wurde Anwohnern zufolge nach der Trauerfeier für die drei am 12. Juni in den besetzten Gebieten verschwundenen jüdischen Schüler verschleppt. Deren Leichen waren am Montag gefunden worden. Danach hatte es mehrere Racheaufrufe radikaler Israelis gegeben. Israel macht die radikal-islamische Hamas für den Tod der drei jungen Männer verantwortlich. Diese hat sich dazu nicht geäußert.

Dutzende Festnahmen im Westjordanland

Nach den umfangreichen Razzien der israelischen Armee im besetzten Westjordanland nach dem Verschwinden der drei Jugendlichen ist die Stimmung dort explosiv. In den vergangenen zweieinhalb Wochen durchkämmten Soldaten auf der Suche nach ihnen Städte und Dörfer im Westjordanland, nahmen Dutzende Palästinenser fest und schlossen Einrichtungen der Hamas. Nach Angaben von Anwohnern wurden dabei bis zu sechs Palästinenser getötet. In Häusern der Familien der mutmaßlichen Täter zündeten Soldaten Sprengsätze.

In einer Neuauflage ihrer Politik der Bestrafung zerstörten israelische Sicherheitskräfte zudem das Haus eines Palästinensers, der wegen des Vorwurf verhaftet worden war, im April einen israelischen Polizisten erschossen zu haben. Ein Armeesprecher sagte, die Zerstörung des Hauses im Dorf Idhna nahe der Stadt Hebron diene der Abschreckung. (Reuters, 2.7.2014)

  • In einem Wald nahe Jerusalem wurde am Mittwoch die Leiche eines palästinensischen Jugendlichen gefunden.
    foto: reuters/ronen zvulun

    In einem Wald nahe Jerusalem wurde am Mittwoch die Leiche eines palästinensischen Jugendlichen gefunden.

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