Antworten auf wichtige Elferfragen

1. Juli 2014, 20:23
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Spielentscheidung per Penaltys: Plötzlich muss nicht unbedingt schnell bedeuten

Wien - Deutschland ist dem Verhängnis gegen Algerien gerade noch entronnen, davor wurden aber bereits zwei Achtelfinale erst im Elfmeterschießen entschieden. Bei Brasilien gegen Chile und Costa Rica gegen Griechenland fand man mit jeweils zehn Versuchen das Auslangen, die Süd- bzw. Zentralamerikaner setzten sich quasi zeitgerecht durch.

Doch was, wenn nach jeweils fünf Schützen noch immer keine Entscheidung gefallen ist? Das Regelwerk des Weltverbandes Fifa sieht in diesem Fall vor, dass das Elfmeterschießen so lange fortgesetzt wird, bis ein Team nach gleich vielen Elfmetern beider Mannschaften ein Tor mehr erzielt hat. Haben alle teilnahmeberechtigten Spieler - jene, die bei Ende der Verlängerung im Einsatz waren - ihre Versuche ausgeführt, ohne dass eine Entscheidung gefallen wäre, geht das Ganze wieder von vorne los.

Bei Weltmeisterschaften ist das allerdings reine Theorie, denn bis dato konnten nie mehr als neun Elfmeter verwandelt werden. Und es gab auch noch nie genug Versager, um ein Elfmeterschießen über Gebühr in die Länge zu ziehen. Schließlich liegt die durchschnittliche Verwandlungsquote bei Elfmetern im Profifußball jenseits der 75 Prozent, bei Weltklassespielern bei mehr als 90 Prozent über die gesamte Karriere gesehen. Allerdings wird in Elfmeterschießen die Unsicherheitsquote größer, je mehr Spieler und also auch Nichtspezialisten zum Einsatz kommen.

Das gilt nicht unbedingt für Torhüter, die zuweilen ebenfalls Elfmeter schießen müssen. Regelrechte Könner gab es da, wie den Paraguayaner José Luis Chilavert, der an die 60 Mal aus Freistößen und Elfmetern traf und einmal sogar einen Hattrick verzeichnete. Oder Rogerio Ceni, der für Brasilien und seinen Klub FC São Paulo mehr als 100 Tore erzielte, etwa je zur Hälfte aus Freistößen und Elfmetern.

Bei Europameisterschaften erwiesen sich Spieler einmal als besonders treffsicher: 1980 standen sich die Tschechoslowakei und Italien im Spiel um Platz drei gegenüber. Nachdem die reguläre Spielzeit keine Entscheidung gebracht hatte (1:1), setzte sich die Tschechoslowakei im Elferschießen 9:8 durch.

Rekord: 50 Elfer

Das längste Elferschießen der Fußballgeschichte datiert aus dem Jahr 2012: In einer Playoff-Partie der US-High-School-League zwischen Bishop' s of La Jolla und San Diego Crawford brauchte es nach einem 3:3 in der regulären Spielzeit 50 Elfmeter, ehe sich die Gastgeber mit 21:19 durchsetzen konnten. Dabei musste die Begegnung beim Stand von 18:18 wegen Dunkelheit abgebrochen werden, der Sieger vom Elfmeterpunkt, der eigentlich zwölf Yards von der Mitte der Torlinie entfernt ist, wurde schließlich erst am Folgetag ermittelt.

In der WM-Historie kam es bis vergangenen Montag 22 Mal zu einem Elfmeterschießen. Am erfolgreichsten agierten dabei die Deutschen, die sich in vier Fällen durchsetzten und damit auf eine makellose Bilanz verweisen können. Ganz und gar keine Spezialisten sind hingegen die Engländer, für die in noch jedem WM-Elfmeterschießen das Aus kam.

Eine eigene Wissenschaft stellt das Elfmeterschießen übrigens auf den Färöern dar. Aufgrund der zuweilen hohen Windstärken darf bei Strafstößen ein dritter Spieler zu Hilfe kommen, um den Ball festzuhalten. An der Trefferquote ändert das nichts. (best, lü - DER STANDARD, 2.7. 2014)

  • Der Ball bauscht das Netz - das Ziel jedes Elfmeterschützen. Im Durchschnitt gelingt es zu mehr als 75 Prozent.
    foto: apa/kyun

    Der Ball bauscht das Netz - das Ziel jedes Elfmeterschützen. Im Durchschnitt gelingt es zu mehr als 75 Prozent.

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