Die rätselhafte Kommunikation der Seepferdchen

1. Juli 2014, 19:12
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Wiener Verhaltensbiologen entschlüsseln drei verschiedene Lauttypen bei der Balz, der Futtersuche und bei Stress

Wien - Eigentlich gehören die Seepferdchen ja zu den Fischen. Die Mitglieder der Familie der Seenadeln tanzen aber in vielerlei Hinsicht aus der Reihe. Das beginnt bei ihrem Äußeren: Ihr Kopf ähnelt eher dem eines Pferdes, der Rest eher einem Wurm.

Doch auch ihr Verhalten weist Besonderheiten auf. So gehen bei den Seepferdchen die männlichen Tiere mit dem Nachwuchs "schwanger" und tragen ihn in einer Art Brutbeutel mit sich herum. Ungewöhnlich ist aber auch die Kommunikation der Tiere, die der Verhaltensbiologe Friedrich Ladich von der Universität Wien gemeinsam mit Kollegen aus Wien und Brasilien untersucht hat.

Kurze Klicks bei der Balz

Konkret fragten sich Ladich und Kollegen dabei unter anderem, ob sich die eigenwillige Rollenumkehr bei den männlichen und weiblichen Tieren auf deren Kommunikationsverhalten auswirkt. Tatsächlich geben die untersuchten Langschnäuzigen Seepferdchen (Hippocampus reidi) während der drei Tage dauernden Balz kurze, rund 20 Millisekunden dauernde Impulse von sich.

Wie die Forscher im "Journal of Zoology" berichten, unterscheiden sich diese sogenannten "Balzklicks" mit einer Hauptfrequenz von rund 370 Hertz zwar weder in ihrer Anzahl noch in der Dauer oder Tonhöhe zwischen den Geschlechtern, wohl aber in der Lautstärke. Die Klicks der Männchen sind mehr als doppelt so laut wie die der Weibchen.

"Dieses gemeinsame 'Klicken' dürfte dem Synchronisieren des Balzverhaltens und in weiterer Folge der erfolgreichen Übergabe der Eizellen in den Brutbeutel der Männchen dienen", vermutet Ladich. "Dafür spricht auch, dass die Klickrate beider Geschlechter am dritten Tag vor der Übergabe der Eizellen deutlich ansteigt."

Die untersuchten Seepferdchen produzieren allerdings nicht nur Balzlaute, sondern äußern sich auch während des Beutefangs akustisch. Es handelt sich dabei ebenfalls um Klicklaute, allerdings sind diese rund doppelt so laut wie die lautesten Balzlaute.

Die Funktion dieser Futterklicks stellt allerdings ein Rätsel dar. Sie erhöhen nachweislich nicht den Erfolg beim Beutemachen und stellen somit ein Risiko dar, da die eher langsamen Tiere Fressfeinde auf sich aufmerksam machen. Die Verhaltensbiologen vermuten, dass die Seepferdchen mit dem Klicken möglichen Partnern Futterquellen anzeigen.

Langschnäuzige Seepferdchen äußern in anderen Situationen aber noch einen dritten Lauttyp. Wenn sie gestresst sind, geben sie einen Brummlaut von sich. Diese Laute, die bislang noch nicht beschrieben wurden, können ununterbrochen mehrere Minuten produziert werden. Sie dienen wahrscheinlich dem Irritieren von Beutegreifern, damit diese von ihren Opfern wieder ablassen.

Rätselhafte Stresslaute

Die Stresslaute sind mit rund 200 Hertz tieferfrequent als die Klicklaute, was auf einen zweiten Lautbildungsmechanismus hindeutet. "Zwei verschiedene Organe zur Lautbildung, nämlich eines zur Produktion von tiefen und eines zur Produktion von hohen Tönen, sind bei Fischen die große Ausnahme", resümiert Friedrich Ladich. Während bekannt ist, dass die Seepferdchen mit einem Gelenk im Genick ihre Klicklaute erzeugen, bleibt die Produktion der tiefen Brummlaute ungeklärt.

Klar ist dank der neuen Studie jedenfalls, dass bei den Seepferdchen die Weibchen während der Balz akustisch weit aktiver sind, als bislang angenommen. Und das könnte auch für alle anderen Fischarten gelten. (tasch, DER STANDARD, 2.7.2014)

  • Bei der drei Tage dauernden Balz geben Seepferdchen Klicks von sich, die das Verhalten der Tiere synchronisieren.
    foto: apa/dpa

    Bei der drei Tage dauernden Balz geben Seepferdchen Klicks von sich, die das Verhalten der Tiere synchronisieren.

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