Kontra Zusatzeinkommen: Politik ist ein Hauptberuf

Kommentar1. Juli 2014, 18:26
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Die vom Volk gewählten Vertreter sollen sich voll und ganz auf diese Aufgabe konzentrieren 

Der Bundeskanzler findet es gut, wenn Abgeordnete ihre segensreiche Tätigkeit als Volksvertreter nebenberuflich ausüben. Weil er es nämlich eigentlich nicht so gut fände, wenn im Parlament lauter hauptberufliche Mandatare säßen.

Wie schön, dass da aus berufenem Munde kommt, dass Berufspolitiker eigentlich eh pfui sind. Solche Äußerungen sind dem Image einer Branche nicht gerade zuträglich - und beim Berufsstand Politik gibt es diesbezüglich ohnehin reichlich Luft nach oben.

8440 Euro brutto monatlich sind ein gutes Gehalt. Dafür kann man verlangen, dass sich die vom Volk gewählten Vertreter voll und ganz auf diese Aufgabe konzentrieren. Niemand sagt etwas gegen gelegentliche Nebenjobs - aber dass sie unter 183 Nationalratsabgeordneten die Regel sind, lässt tief blicken. Auch das Argument, dass sich ohne wirtschaftliche Absicherung für die Zeit danach niemand die Politik "antun" würde, greift nicht. Wer im Parlament sitzt, tut dies im Regelfall für mindestens fünf Jahre - welcher Job in der Privatwirtschaft ist heute noch derart berechenbar?

Auch dass Nebenjobs eine gewisse "Bodenhaftung" der Abgeordneten bewirkten, ist zu hinterfragen: Der bestverdienende Mandatar des Teams Stronach, der Arzt Marcus Franz, will Österreichs Versicherte wie Hunde und Katzen chippen lassen. Solche Bodenhaftung hat sich der Parlamentarismus wahrlich nicht verdient. (Petra Stuiber, DER STANDARD, 2.7.2014)

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