Pro Zusatzeinkommen: Aus dem Leben gegriffen

Kommentar1. Juli 2014, 18:21
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Nur so bekommen Parlamentarier zumindest ansatzweise einen Eindruck, wie es im Alltag zugeht

Es sind Ärzte und Steuerberater, öffentlich Bedienstete und Bauern, Gewerkschafter und Geschäftsführer, Kommunikationstrainer und Bürgermeister, Angestellte in der Privatwirtschaft und einige Parteiangestellte, die im Nationalrat sitzen und das Volk vertreten, aus dessen Mitte heraus sie gewählt wurden. Berufspolitiker, die allein auf das Abgeordneteneinkommen (und damit auf das Wohlwollen ihrer Partei) angewiesen sind, sind eher selten: Drei von vier Mandataren üben nebenbei auch noch einen Beruf aus.

Sie bekommen durch diese Tätigkeiten zumindest ansatzweise einen Eindruck davon, wie es im Alltag zugeht, wie es in der Wirtschaft läuft und welche Belastungen Berufe außerhalb der Politik mit sich bringen. Die neuen Transparenzregeln zeigen: Manche können offenbar recht einträgliche Nebenbeschäftigungen mit dem politischen Mandat vereinbaren.

Das hat einen weiteren Vorteil: Wenn das Mandat ausläuft, können die Betreffenden in ihr angestammtes Tätigkeitsfeld zurückkehren, ohne besonders versorgt werden zu müssen - im Idealfall sind sie sogar so unabhängig von der jeweiligen Partei, dass sie aus Gewissensgründen zurücktreten könnten. Und wenn sie im Ernstfall doch lieber auf ihren Sesseln kleben bleiben? Dann hat es der Bürger in der Hand, sie beim nächsten Mal abzuwählen und in ihren alten Beruf zurückzuschicken. (Conrad Seidl, DER STANDARD, 2.7.2014)

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