Italien muss Prognosen nach unten schrauben

1. Juli 2014, 18:03
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Heuer Rezession, bestenfalls Stagnation

Die Kassandrarufe des italienischen Industriellenverbandes Confindustria in der vergangenen Woche dürften sich bewahrheiten. Die volkswirtschaftliche Abteilung von Confindustria hatte die Wachstumsprognose von ehemals 0,7 auf 0,2 Prozent revidiert. Zu Wochenbeginn hat das Statistische Amt Istat seine Prognose von 0,6 auf minus 0,1 bis plus 0,3 Prozent gesenkt. Auf gut Deutsch heißt dies, Italiens Wirtschaft wird 2014 weiterhin in einer Rezession, bestenfalls in einer Stagnation verharren. Die Istat-Experten schließen ein Minus des Bruttoinlandsprodukts im zweiten Quartal nicht aus.

In den zweckoptimistischen Regierungskreisen wird man langsam hellhörig. Zwar versichert Wirtschaftsminister Pierre Carlo Padoan, dass ein Wachstum von 0,8 Prozent (ursprüngliche Regierungsprognose) für 2014 weiterhin möglich sei: Ab der zweiten Jahreshälfte werde eine "kräftige" Erholung erwartet. Die Arbeitslosenquote von über 13 Prozent schließt derzeit eine Verbrauchsbelebung aber aus.

Auch die Investitionen treten weiterhin auf der Stelle: Denn Italiens Banken geizen mit Krediten. Grund dafür ist unter anderem der hohe Bestand an faulen Krediten, die im Mai einen Rekordwert von 165 Milliarden Euro erreichten. Möglich ist, dass die jüngsten Maßnahmen der EZB zu einer Lockerung der Kreditzügel führen. Doch bis es zu einer Investitionsbelebung kommt, werden nach Ansicht von Branchenkennern noch Monate vergehen.

Halber Flop

Zwar haben sich ausländische Investoren kürzlich kräftig im Bankensektor engagiert. Die fünf Milliarden Euro Kapitalerhöhung bei der Problembank Monte dei Paschi di Siena ging reibungslos über die Bühne. Und dies dank ausländischer Investoren. Doch bei der Privatisierung der Schiffswerft Fincantieri blieb der erhoffte Auslandsboom aus. Die Regierung musste das Angebot (49,9 Prozent) der Fincantieri-Aktien auf 78 Cent pro Stück halbieren. "Die Privatisierung startet mit einem halben Flop", heißt es denn in Mailänder Finanzkreisen. Der Börsenang startet am Donnerstag.

Der Verkauf von Aktien der UniCredit-Tochter Fineco ist einen Tag vor deren Börsengang erfolgreich abgeschlossen worden. Die Kapitalisierung der Direktbank beträgt 2,2 Mrd. Euro. Die Aktiennachfrage übertraf 2,9-mal das Angebot, teilte Fineco am Dienstag mit. Der Aktienpreis liegt bei 3,70 Euro. (Thesy Kness-Bastaroli aus Mailand, DER STANDARD, 2.7.2014)

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