Währungsfonds kritisiert hohe Steuern und sinkende Produktivität

2. Juli 2014, 05:30
221 Postings

Wien - Österreichs Arbeitsmarkt wird in letzter Zeit kritisch von internationalen Organisationen beleuchtet. Der höchste Anstieg der Arbeitskosten in der Eurozone seit Ausbruch der Krise ist dabei nur ein Aspekt. In den Fokus rückt immer stärker der Verlust an Produktivität. Der Währungsfonds hält in seinem neuen Länderbericht fest, dass Österreichs Produktivität 20 Prozent unter jener der USA liege. Seit Mitte der 1990er-Jahre sei der Aufholprozess gestoppt, seither falle Österreich zurück. Sinkende Produktivität habe auch das Potenzialwachstum gedrückt, meint der IWF.

Auch im jüngsten Jahresbericht der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) wird auf diese Entwicklung hingewiesen. Zwar liegt Österreich beim Beschäftigungswachstum in den letzten sechs Jahren international weit vorne. Da aber der die Wirtschaftsleistung verhältnismäßig schwächer zulegte, schrumpfte die Produktivität gemessen am Output pro Beschäftigte um 4,2 Prozent. Zum Vergleich: In Deutschland hielten sich Beschäftigungszuwachs und Wirtschaftswachstum die Waage, in Frankreich verbesserte sich die Produktivität um gut zwei Prozent.

IWF verlangt Reformen

Nicht ganz überraschend sieht der Fonds die hohe Belastung des Faktors Arbeit kritisch, die die Beschäftigung insbesondere von schlecht ausgebildeten Personen hemme, Teilzeit hingegen fördere. Zudem werde das verfügbare Einkommen durch die kalte Progression geschmälert, schreibt der Währungsfonds. Er schlägt Ausgabenkürzungen im Volumen von drei Milliarden Euro vor, um eine Entlastung zu finanzieren. Zentrale Bereiche: Anhebung des Pensionsalters - inklusive raschere Angleichung des Antrittsalters für Frauen -, Reduktion der Förderungen (Evaluierung teurer Infrastrukturbauten inbegriffen), Gesundheitsreform, Steuerhoheit der Länder. (as, DER STANDARD, 2.7.2014)

Share if you care.