WM-Fußballrechte: "Krone" ist "fassungslos über ORF"

1. Juli 2014, 17:39
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Auch Fifa soll rechtlich gegen WM-Videos des ORF auf oe24.at vorgehen - Fellner will bei Verbot klagen

Wien - Die Klage auf Unterlassung nach Wettbewerbsrecht samt Antrag auf Einstweilige Verfügung sollte Dienstag bei der Mediengruppe Österreich eingelangt sein: Am 24. Juni brachte die Kanzlei Korn die 34 Seiten ein, mit denen krone.at sein Lizenzrecht an WM-Videos des ORF auf dem Gerichtsweg einfordert. oe24.at übernimmt ORF-Videos, teils vom Bildschirm abgefilmt, und beruft sich auf das Recht von Fernsehsendern auf Kurzberichte. Dieses Recht gelte nur für lineare Fernsehprogramme, hält die Klage dagegen.

Auch die Fifa will nach Krone-Infos gegen die ORF-Videos auf oe24.at vorgehen. Eine Bestätigung des Weltfußballverbands auf STANDARD-Anfrage stand Dienstagnachmittag noch aus.

"Fassungslos" über ORF

Krone-Justitiarin Anja Schmidt bestätigt die Klage von krone.at, über die Mediaprintpartner „Kurier“ am Dienstag berichtet hat. Nicht zum ersten Mal bedienten sich Medien der Mediengruppe Österreich an ORF-Material, der öffentlich-rechtliche Sender nehme das stillschweigend hin. Nun aber hat die „Krone“ als einziges österreichisches Onlinemedium einen Lizenzvertrag mit dem ORF über das Fifa-Material abgeschlossen, zahle ansehnliche Beträge für das Material (kolportiert werden Minutenkosten von 1000 Euro) und müsse sich zudem den strengen Einschränkungen der Fifa für Werbung um die Videos unterwerfen. Österreich indes übernehme Material kostenlos, werbe um die Videos ohne Beschränkungen und werbe mit ihnen, ebenfalls ohne Fifa-Regeln. Und das in Absprache mit dem ORF. Das ließ im „Krone“-Verlag den Kragen platzen.

Anja Schmidt formuliert das im Gespräch mit dem STANDARD so: „Wir sind erstaunt, ja fassungslos, dass der ORF als unser Lizenzgeber/als Inhaber der Signalrechte trotz mehrfacher Aufforderung wieder einmal nichts gegen die unlauteren Geschäftspraktiken von Österreich unternimmt.“

"Würde Selbst-Klage gleichkommen"

„Österreich“-Herausgeber Wolfgang Fellner sieht seine Geschäftspraktiken naturgemäß anders: Eine Klage der „Krone“ würde aus seiner Sicht „fast einer Selbst-Klage gleichkommen“. Warum das? Nach unserer Rechtsmeinung ist das, was die „Krone“ derzeit tut - ORF-Videos im Rahmen eines Exklusiv-Deals mit dem ORF ohne eigene Bearbeitung als ORF-Material mit ORF-Moderatoren auszustrahlen – nur dann zulässig, wenn alle anderen Marktteilnehmer ein Kurzberichterstattungsrecht laut § 5 FERG ausüben dürfen.“

Von einem Exklusivvertrag könne keine Rede sein, entgegnet „Krone“-Justitiarin Schmidt: Nur habe eben kein Mitbewerber habe eine Einigung mit dem ORF erzielt und rechtzeitig eine Freigabe durch die Fifa beantragt, die für Sublizenzierungen nötig sind.

Mit ORF akkordiert

Fellner bestätigt, das sein Vorgehen mit dem ORF akkordiert ist: „Wir haben diese Kurzberichterstattung im Vorhinein mit dem ORF abgestimmt.“ Würden ihm die Kurzberichte verboten, „werden wir die Krone-Exklusiv-Vereinbarung mit dem ORF sofort einklagen, weil sie dann unserer Meinung nach der Gleichbehandlungs-Regel widerspricht, die der ORF als Monopolunternehmen und öffentlich-rechtliche Anstalt einzuhalten hätte.“

Frist bis nach WM-Finale

Die krone.at-Klage hatte Fellner nach dessen Aussagen bis Dienstagnachmittag noch nicht erreicht, sie müsste am selben Tag zugestellt worden sein. Fellners Mediengruppe hat ab Zustellung 14 Tage Zeit zur Stellungnahme. Die Frist endet damit gleich nach dem WM-Finale. (fid, derStandard.at, 1.7.2014)

  • Wolfgang Fellner.
    foto: apa/neubauer

    Wolfgang Fellner.

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