Sprühfaktor

Kolumne1. Juli 2014, 17:35
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Lionel Messi mag ein Zauberer seines Fachs sein, aber in Luft auflösen kann er sich nicht. "915 Fair Play Limit" kann das. Er ist der heimliche Star der WM. Da können Messi, Neymar oder Benzema noch so schöne Tore erzielen - bei dieser WM hat er seinen ersten ganz großen Auftritt. Dabei hält er sich dezent im Hintergrund, verrichtet seine Arbeit und verschwindet nach 45 bis 120 Sekunden wieder.

"915 Fair Play Limit" alias Freistoßspray besteht zu etwa 77 Prozent aus Wasser, 20 Prozent Butangas, einem Prozent Tensiden und noch ein paar anderen Substanzen. Er hängt in einer Dose zu 147 Millilitern am Hosenbund des Schiedsrichters. Bei Freistößen landet er wahlweise als Strich, hinter dem sich die mauernden Spieler zu formieren haben, oder als Art Halbkreis auf dem Rasen, innert dessen der Ball platziert wird. Laut Regelwerk in 9,15 Metern Abstand zueinander. Übertreter werden also gnadenlos entlarvt. "915 Fair Play Limit" ist ein würdiger Mitarbeiter. Ein "wichtiges Hilfsmittel", wie Massimo Busacca, Chef der WM-Schiris, sagt.

Und dann das. "Wir hätten gerne schnell gespielt, aber der Schiedsrichter musste ja Farbe aufs Feld malen", hatte Bayerns Torhüter Manuel Neuer im Dezember bei der Klub-WM in Marokko, wo der Spray schon getestet wurde, gemotschgert. Und weiter: "Damit macht man das Spiel ein bisschen langsam. Deswegen ist das eher schädlich." Laut Hersteller ist der Schaum aber "biologisch abbaubar und harmlos für den Rasen". (Birgit Riezinger, DER STANDARD, 2.7.2014)

  • Übertreten verboten.
    foto: apa/epa/gunther

    Übertreten verboten.

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