Buntbarsche: Bei Faulheit gibt's was auf die Flossen

5. Juli 2014, 16:05
3 Postings

Die "Prinzessin vom Tanganjikasee" lässt sich beim Brüten helfen - und bestraft mangelnden Einsatz

Wien/Bern - Die "Prinzessin vom Tanganjikasee" ("Princess of Burundi"; Neolamprologus pulcher) ist eine etwa sieben Zentimeter lange Buntbarsch-Art, die ausschließlich im zentralafrikanischen Tanganjika-See vorkommt. Bei dieser Spezies erhält ein dominantes Brutpaar Unterstützung duch rangniedrigere Tiere - bis zu 25 "Nannys" können da pro Paar beschäftigt sein. Und wenn sie ihrer Arbeit nicht eifrig genug nachgehen, setzt es Strafen, berichtet der österreichische Verhaltensbiologe Stefan Fischer.

Lohn und Preis

Eigentlich trachten Tiere danach, die eigenen Gene an die nächste Generation weiterzugeben. Wenn sie diesen Trieb zugunsten der Fürsorge für den Nachwuchs anderer unterdrücken, muss dies andere Vorteile mit sich bringen - anders könnten solche Verhaltensweisen nicht etabliert und auch aufrechterhalten werden.

Eine Hypothese besagt, dass untergeordnete Helfer in der Gruppe bleiben, da sie dadurch besser geschützt sind, erklärt der nun an der Cambridge University tätige österreichische Verhaltensbiologe Stefan Fischer. Als Preis dafür müssen die Tiere etwas zum Wohle und Unterhalt der Gruppe beitragen - und diese "Miete" wird bei Neolamprologus pulcher vom dominanten Brutpaar entgegengenommen. Fischer erklärt weiter, dass - der Hypothese folgend - dominante Tiere untergeordnete Individuen bestrafen können, wenn sie ihren Beitrag nicht leisten.

Falsche Faulheit und ihre echten Folgen

Im Rahmen seiner Tätigkeit an der Universität Bern hat der Forscher mit seinen Kollegen in einem Feldexperiment am Tanganjikasee in Sambia untersucht, ob "faule" Helfer von dominanten Tieren bestraft werden und wie sich die Gruppengröße auf das Bestrafungsverhalten auswirkt.

Echte Faulheit ließ sich zwar nicht hervorrufen, aber zumindest im Ergebnis simulieren: indem man ganz einfach einige Tiere daran hinderte, ihren Helferaufgaben nachzukommen. Anschließend beobachteten die Wissenschafter, wie die anderen Gruppenmitglieder reagierten, nachdem die vormals "faulen" Fische in den sozialen Verband zurückkehrten.

"Dabei haben wir herausgefunden, dass Helfer ihre 'faule' Periode entweder mit unterwürfigem Verhalten, wenn sie in einer großen Gruppe waren, oder mit vermehrter Helfertätigkeit in kleinen Gruppen kompensieren. Passend zu diesen Ergebnissen zeigte sich, dass vor allem in kleinen Gruppen das dominante Brutpaar vermehrt Aggression gegenüber den Testindividuen zeigte", erklärt Fischer.

Kleingruppen erleichtern Kontrolle

Die im Fachjournal "Proceedings of the Royal Society B" veröffentlichten Ergebnisse zeigen laut dem Forscher somit erstmals, dass die Bestrafung fauler Helfer für die Entwicklung von kooperativem Brutpflegeverhalten verantwortlich sein kann.

Dass das Fehlverhalten lediglich in kleineren Gruppen geahndet wurde, zeige den wichtigen Einfluss der Gruppengröße auf die Fähigkeit von dominanten Tieren, ihre Untergebenen zu bestrafen. Die Erkenntnis, dass die Kontrolle von Gruppenmitgliedern in Großgruppen schwierig bzw. unmöglich ist, sei auch schon bei Menschen gemacht worden, so Fischer. Dies zeige, dass es sich hier um ein evolutionär tief verwurzeltes und anscheinend weitverbreitetes Phänomen handelt. (APA/red, derStandard.at, 5. 7. 2014)

Share if you care.