Android L: Eine "Google-isierte" Version von iOS 7?

2. Juli 2014, 11:01
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Flache User-Interfaces dominieren die mobilen Betriebssysteme.

Mit Android L hat Google auf der Entwicklerkonferenz I/O in der letzten Woche eine neue Version seines mobilen Betriebssystems angekündigt, bei dem eine der größten Änderungen direkt ins Auge springt – das neue Material Design. Im Kampf gegen den Skeuomorphismus – die Nachahmung von realen Oberflächen und Objekten in digitalen User-Interfaces – setzt Google auf ein flaches Design, klare Abgrenzungen und viele freie Flächen. Kennen wir das in ähnlicher Form nicht bereits von iOS 7 und Windows Phone 8?

Die Unterschiede liegen im Detail

In einem aktuellen Artikel von Wired wird die neue Designsprache von Android L und Matias Duarte, der Mann dahinter, vorgestellt. Bei der grundsätzlichen Idee hinter Material Design – weg vom Skeuomorphismus und hin zu einem einfachen und flachen Design – sind durchaus Gemeinsamkeiten mit der aktuellen Designphilosohpie von Apple und Microsoft zu erkennen. Damit erscheine Android L wie eine "Google-isierte" Version des von Apple-Designer Jony Ive perfektionierten flachen Aussehens von iOS 7, so Wired. Die Unterschiede liegen jedoch im Detail. Über die Interface-Grundlagen Dimensionalität und vor allem Bewegung, die sehr bedacht eingesetzt werden und immer einen bestimmte Funktion erfüllen, soll sich das kommende Android von der Konkurrenz abheben.

Dimensionalität und Bewegung

Dimensionalität bedeutet, dass jeder Pixel in Android L auch eine Höheninformation beinhaltet. Dadurch entstehen im User-Interface mehrere Ebenen, die von dezenten Schatteneffekten abgegrenzt werden. Verschiedene Elemente können dadurch übereinander liegen, ohne für Verwirrung beim Nutzer zu sorgen. Auch im eigentlich flachen iOS 7 werden Elemente des User-Interfaces in verschiedenen Ebenen dargestellt. Apple grenzt diese im Vergleich zu Google jedoch durch Transparenzen voneinander ab, wie etwa im Kontrollzentrum oder in der Benachrichtigungszentrale zu sehen ist. Die Designsprache von Windows Phone 8 kennt hingegen keine Schatten- oder Transparenzeffekte im User-Interface.

Klarer wird der Unterschied zu den flachen und eher statischen Designs von Apple und Microsoft jedoch mit Bewegung. Bewegung wird in Android L eingesetzt, um User-Aktionen hervorzuheben und Änderungen am Zustand von Apps darzustellen. Betätigt man etwa den Löschen-Knopf im Taschenrechner, werden die derzeitigen Eingaben von einer einfarbigen Fläche quasi weggeschwemmt. Dem Nutzer wird so die Orientierung erleichtert und Eingaben auf Smartphone und Tablet werden entsprechend visualisiert.

Das Problem der Fragmentierung

Die Offenheit von Android ist gleichzeitig auch der Knackpunkt. Googles Betriebssystem läuft auf zahlreichen Smartphones, Tablets und sogar manchen Desktop-Computern verschiedenster Hersteller und das auch noch in den unterschiedlichsten Displaygrößen und -auflösungen. Für die Entwicklung eines einheitlichen User-Interfaces kann man die Fragmentierung von Android damit zumindest als eine Herausforderung bezeichnen. Für die Bewältigung dieser Aufgabe hat sich Google im Jahr 2010 Matias Duarte ins Boot geholt, der zuvor unter anderem am User-Interface des hoch gelobten, jedoch am Markt gescheiterten mobilen Betriebssystems webOS von Palm, das mittlerweile in Smart-TVs von LG eingesetzt wird, gearbeitet hat.

Seit rund drei Jahren befindet sich Material Design, das eine einheitliche Bedienung von Android ermöglichen soll, bei Google in der Entwicklung. Je nach Displaygröße sind Buttons unter den bisherigen Versionen von Android teilweise an vollkommen unterschiedlichen Stellen und es fehlt eine einheitliche Designsprache. Mit Android L soll sich das nun ändern – so zumindest die Theorie.

Material Design wird vielen verborgen bleiben

Die Realität könnte jedoch anders aussehen. Wired gesteht ein, dass die breite Masse die neue Designsprache von Android wohl nie so zu Gesicht bekommen wird, wie von Google beabsichtigt. Einerseits weil für viele ältere Geräte womöglich gar kein Update auf Android L erscheinen wird, andererseits weil die Hardwarehersteller das Betriebssystem über ihre eigenen Anpassungen "aufhübschen" und so die Einheitlichkeit von Material Design verloren gehen könnte. Solche Sorgen kennen iOS- und Windows Phone 8-Nutzer hingegen nur bedingt. (wen, derStandard.at, 02.07.2014)

  • Der Homescreen von Android L - aufgeräumt und klare Linien.
    foto: andreas proschofsky / derstandard.at

    Der Homescreen von Android L - aufgeräumt und klare Linien.

  • Der Startscreen von Windows Phone 8 unterscheidet sich am größten von den Konzepten der Konkurrenz.
    foto: microsoft

    Der Startscreen von Windows Phone 8 unterscheidet sich am größten von den Konzepten der Konkurrenz.

  • Durch Transparenzen werden in iOS 7 verschiedene Ebenen voneinander abgegrenzt.
    foto: heise zeitschriften verlag

    Durch Transparenzen werden in iOS 7 verschiedene Ebenen voneinander abgegrenzt.

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