Wie Aspirin das Krebsrisiko senkt

1. Juli 2014, 16:43
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Schweizer Forscher glauben, den verantwortlichen Mechanismus gefunden zu haben, raten aber von unkontrollierter Einnahme ab

Basel - Seit den 1990er-Jahren weiß man, dass die regelmäßige Einnahme von Acetylsalicylsäure - kurz: Aspirin - über einen längeren Zeitraum hinweg das Krebsrisiko senken kann: Ein Ergebnis, das seither von einer ganzen Reihe Studien bestätigt wurde. Wie genau dies funktioniert, ist aber noch nicht restlos geklärt. Von einem möglichen Mechanismus berichtet nun die Universität Basel.

Basler Forscher um Primo Schär und Kaspar Truninger untersuchten Darmgewebsproben von 546 gesunden Frauen über 50 Jahren. Dabei verglichen sie altersspezifische Veränderungen der Erbgut-Markierungen, sogenannter Methylgruppen der DNA, mit den Angaben der Frauen zu ihrem Lebenswandel hinsichtlich Aspirin-Konsum, Rauchen, Body-Mass-Index und der Anwendung einer Hormonersatztherapie.

Die deutlichsten Effekte zeigten sich bei der Aspirin-Einnahme unter positiven und beim Rauchen unter negativen Vorzeichen,  wie die Forscher im "Journal of the National Cancer Institute" berichten.

Was dahinter steckt

"Das Erbgut in jeder Zelle ähnelt einer Bibliothek, die mit Lesezeichen gespickt ist", sagt Schär. Dank dieser Lesezeichen wisse die Zelle, welche Gene abgelesen werden müssen, damit sie ihre spezialisierte Aufgabe als Haut-, Muskel- oder Darmwandzelle ausführen kann. "Diese Markierungen sind aber nicht stabil, sondern verändern sich mit dem Alter. Verändern sie sich an bestimmten Stellen des Erbguts zu stark, kann ein Tumor entstehen."

In ihrer Studie konnten die Forscher zeigen, dass genau dieser altersbedingte Verfall der Erbgut-Markierungen durch regelmäßige Einnahme von Aspirin gebremst wird. Rauchen hat übrigens den genau gegenteiligen Effekt:  Es beschleunigt diesen Alterungsprozess.

Die Forscher sehen in ihrer Studie zwar eine weitere Bestätigung für die potenziell krebsvorbeugende Wirkung von Aspirin. Ohne Rücksprache mit einem Arzt täglich Aspirin zu schlucken, empfehlen sie dennoch ausdrücklich nicht - vor allem wegen potenzieller Nebenwirkungen wie etwa Magen-Darm-Blutungen. (red, derStandard.at, 1.7.2014)

  • Täglich Aspirin nehmen, um Krebs vorzubeugen? Dafür ist es noch zu früh, sagen Schweizer Forscher, die sich der Wirkungsweise des Medikaments angenommen haben.
    foto: apa/dpa

    Täglich Aspirin nehmen, um Krebs vorzubeugen? Dafür ist es noch zu früh, sagen Schweizer Forscher, die sich der Wirkungsweise des Medikaments angenommen haben.

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