Algerier in Wien: Feierlaune trotz Niederlage

Reportage mit Video1. Juli 2014, 16:09
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Am Montag feierten zahlreiche Algerien-Fans aus Wien ihr WM-Achtelfinal-Debüt gegen Deutschland

"One, two, three Viva Algerie“, singen die algerischen Fans vor sich hin. Sie sind in Decken gehüllt und warten auf den Anpfiff des Achtelfinals gegen Deutschland. Ihnen steht ein historisches Ereignis bevor: Algerien steht zum ersten Mal im Achtelfinale einer WM, in Frankreich und vor allem in Algerien sind die Fans auf das Spiel gespannt. 1982 gab es ein wichtiges WM-Aufeinandertreffen mit Deutschland, damals ging Algerien mit einem 2:1 als Sieger vom Platz.

Kalter Abend, gute Stimmung

An diesem kalten Sommerabend, der sich mehr wie ein früher Herbstabend anfühlt, haben sich an die 40 algerische Fans zum Public Viewing in der Strandbar Herrmann zusammengefunden - sie wollen ihre Mannschaft spielen sehen. Auch die Österreichisch-Algerische Gesellschaft (ÖAG) hat dazu eingeladen: "Es gab früher in den 1960er Jahren eine österreichische Gruppe von jungen Sozialdemokraten, die die Algerier im Kampf der Entkolonialisierung gegen Frankreich unterstützt haben, nach dem Ende dieses Kampfes wurde die Gesellschaft 1963 gegründet“, erzählt Johann Moser, Präsident der Gesellschaft.

Besonderer Tag in Algerien

Damals wie heute finden Algerier ihren Weg zur ÖAG, es geht vor allem um Unterstützung und Austausch auf politischer, wirtschaftlicher, kultureller Ebene, und um Veranstaltungen jeglicher Art. Laut Moser leben an die 700 algerischstämmige Menschen in Österreich, eine davon ist Imane: "Ich wünsche mir vom Herzen, dass Algerien heute gewinnt.“

khakpour & puktalovic

Für Imane ist heute ein besonderer Tag, den ganzen Tag über hat sie sich im Gedanken ausgemalt, wie das Spiel heute sein könnte, jetzt in der Nacht ist ihr die Aufregung anzumerken. Ein Vorbereitungsritual hat sie nicht, der Glaube scheint ihr jedoch wichtig zu sein: "Ich bin ein spiritueller Mensch.“ Der Glaube sei aber nicht nur für die Algerier ein wichtiger Anker, auch bei vielen anderen "südländischen“ Teams wie Mexiko oder Brasilien spiele der Glaube eine große Rolle, so Imane.

Zwei Glückliche Ereignisse

"Ich bin sehr froh und stolz, dass Algerien heute dabei ist“, sagt auch Simane Aziz, sie ist Generalsekretärin der ÖAG. Viele Algerier kommen erst kurz vor Spielbeginn um 22 Uhr zum Public Viewing, da sie vorher erst das islamische Fastenbrechen "Iftar“ hatten.

Andere wiederum zehn Minuten nach Anpfiff oder später. Fußball und Ramadan das sind "zwei glückliche Ereignisse“, sagt Aziz. Der Feierlaune tut dies keinen Abbruch, im Gegenteil, viele Algerier fiebern im Laufe des Spiels lautstark mit, auch bei den zwei deutschen Gegentoren, die in den letzten Momenten der Nachspielzeit fallen. Die herbe Enttäuschung ist aus den Gesichtern der Anwesenden abzulesen und trotzdem überwiegt nach kurzer Trauer die Freude.

Feierliche Stimmung

"Wir sind trotzdem Stolz auf unsere Mannschaft und auf dieses Spiel“, sagt Imane resümierend. Die deutsche Mannschaft ist  am Ende doch zu stark, geschlagen haben sich die algerischen Spieler aber mehr als gut, davon sind die Fans hier in Wien überzeugt. Die lange Nacht geht mit Hupkonzerten- und arabisch-französischen Gesängen entlang des Wiener Rings zu Ende. Für die Algerier aus Wien ist das nur der Anfang: "Heute wurde Algerien neugeboren“, sagt ein Fan voller Zuversicht. (Text und Video: Toumaj Khakpour und Siniša Puktalović, 1. Juli 2014, daStandard.at)

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    Andre Schürrle brachte die Deutschen auf die Siegerstraße.

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