Rosettas Zielkomet dampft pro Sekunde ein Seidel Wasser aus

5. Juli 2014, 20:39
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Mikrowellen-Instrument MIRO verzeichnet Gasaustritte - "als würde man von der Erde aus das Verdampfen einer Tasse Tee auf dem Mond entdecken"

Katlenburg-Lindau - Auf seinem Weg ins innere Sonnensystem wird der Komet 67P/Tschurjumow-Gerasimenko, der im August von der ESA-Sonde Rosetta Besuch erhält, aufgeheizt. Dabei treten Gase aus seinem Inneren aus und reißen Staub mit sich, wodurch sich eine Hülle um ihn ansammelt, die Koma. Das ist allerdings kein gleichmäßiger Prozess, sondern ein ständiges Auf und Ab.

Zu den flüchtigen Substanzen zählen Kohlenmonoxid, Methanol und Ammoniak. Diese Woche berichtete das Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung, dass der Komet auch bereits seit einiger Zeit Wasser ausdampft: Und zwar im Ausmaß von 300 Millilitern - einem Seidel - pro Sekunde. Festgestellt werden konnte dies durch Messungen des Instruments MIRO ("Microwave Instrument for the Rosetta Orbiter") an Bord der Sonde, das die Mikrowellenstrahlung der ausgetretenen Moleküle analysiert.

Hohe Messgenauigkeit

Der erste Nachweis des Wasserdampfes gelang dem MIRO-Team vor einem Monat aus einem Abstand von 350.000 Kilometern. Tschurjumow-Gerasimenko trennten zu diesem Zeitpunkt noch 583 Millionen Kilometer von der Sonne. Seitdem konnte das Instrument jedes Mal, wenn es in Betrieb und auf den Kometen gerichtet war, das Gas identifizieren.

"Wir wussten, dass wir das Ausgasen von Wasserdampf würden beobachten können. Allerdings waren wir überrascht, wie früh wir das Gas entdeckt haben“, sagt Sam Gulkis vom Jet Propulsion Laboratory der US-amerikanischen Weltraumagentur NASA, der Leiter der MIRO-Gruppe.

Paul Hartogh vom Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung beschreibt die Messleistung folgendermaßen: Das sei so, als würde man von der Erde aus das Verdampfen einer Tasse heißen Tees auf dem Mond entdecken. (red, derStandard.at, 5. 7. 2014)

  • Vor einem Monat konnte erstmals nachgewiesen werden, dass der Komet 67P/Tschurjumow-Gerasimenko Wasser ausdampft.
    illustration: esa

    Vor einem Monat konnte erstmals nachgewiesen werden, dass der Komet 67P/Tschurjumow-Gerasimenko Wasser ausdampft.

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