Abu-Ghraib-Häftlinge: US-Gericht lässt Klage gegen Sicherheitsfirma zu

1. Juli 2014, 13:00
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CACI-Mitarbeiter sollen Häftlinge misshandelt haben

Washington/Bagdad - Eine von der US-Justiz abgewiesene Klage von vier Irakern wegen Folterpraktiken im berüchtigten Gefangenenlager Abu Ghraib ist zulässig und wird nun doch weiter verfolgt. Ein Berufungsgericht kassierte am Montag den Beschluss aus früherer Instanz, den Fall nicht weiterzuverfolgen, weil sich die Tatvorwürfe auf Geschehnisse außerhalb der USA bezogen.

Die Angaben der Kläger, die nach eigenen Angaben brutal gefoltert wurden, berührten "in ausreichendem Maße die Interessen der Vereinigten Staaten" und könnten somit auch von der US-Justiz überprüft werden, urteilten die Richter nun.

Die bereits im Jahr 2008 eingereichten Vorwürfe richten sich gegen Angestellte der privaten US-Sicherheitsfirma CACI International. Sie sollen an Misshandlungen von Häftlingen durch US-Soldaten beteiligt gewesen sein oder diese zumindest gebilligt oder stillschweigend geduldet haben.

Gerichtsdokumenten zufolge beruft sich CACI darauf, dass der damalige US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld die meisten der beanstandeten Praktiken gebilligt habe. Die ebenfalls beklagte US-Sicherheitsfirma L-3 Services Inc. (jetzt Engility Holdings) hatte sich im Oktober 2012 mit 72 früheren Abu-Ghraib-Häftlingen auf eine Entschädigungszahlung in Millionenhöhe geeinigt.

Einer der vier gegen CACI klagenden Iraker berichtete, er sei in Abu Ghraib mit Eisenstangen geschlagen worden und habe so viel Wasser trinken müssen, dass er Blut erbrach, weil sein Penis abgebunden worden und er so am Wasserlassen gehindert worden sei. Ein anderer Mitgefangener wurde nach eigenen Worten mit Elektroschocks gefoltert, musste mitten im Winter eine Nacht in der Dusche verbringen und wurde nackt und gefesselt in eine Zelle mit weiblichen Gefangenen gebracht. Ein Dritter berichtete, er sei von den Aufsehern an Gitterstäbe gefesselt und geschlagen worden.

Der Folterskandal im Gefängnis Abu Ghraib nahe der irakischen Hauptstadt Bagdad war im Jahr 2004 durch die Veröffentlichung von Fotos publik geworden, die weltweit Empörung auslösten. Elf US-Soldaten wurden zu Haftstrafen von bis zu zehn Jahren verurteilt.  (APA, 1.7.2014)

  • Der Iraker Emad al-Janabi wurde in Abu Ghraib gefoltert und klagt vor einem US-Gericht.
    foto: ap/murad sezer

    Der Iraker Emad al-Janabi wurde in Abu Ghraib gefoltert und klagt vor einem US-Gericht.

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