Asylsuchender verklagt Australien wegen Verlusts eines Auges

1. Juli 2014, 12:44
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Mann wurde bei Revolte in Auffanglager verletzt

Sydney - Nach dem Verlust seines rechten Auges bei einer gewaltsamen Flüchtlingsrevolte hat ein Asylsuchender die australische Regierung und eine private Sicherheitsfirma verklagt. Der Mann reichte am Dienstag Klage auf Entschädigung wegen seiner in einem Auffanglager auf Papua-Neuguinea erlittenen Verletzung ein, wie seine Anwälte mitteilten.

Ihr Mandant habe "körperlich und psychisch enorm gelitten", weil die australische Regierung und die britische Sicherheitsfirma G4S in dem Lager auf der Insel Manus Island keine sicheren Bedingungen gewährleistet hätten, hieß es.

Die Klage des Asylsuchenden, der den Angaben zufolge 30 bis 40 Jahre alt sein soll, wurde am Obersten Gerichtshof des australischen Bundesstaats Victoria eingereicht. Da er Racheakte gegen sich und seine Familie fürchtete, legte der im Oktober aus Indonesien auf dem Seeweg eingewanderte Mann anonym juristische Schritte ein.

Friedliche Proteste umgeschlagen

Bei dem Aufstand in dem australischen Auffanglager hatte er im Februar nach eigenen Angaben durch einen Steinwurf ein Auge verloren. Laut seinen Anwälten erlitt er zudem Knochenbrüche und ein schweres Schädeltrauma. Insgesamt wurden im Zuge der Revolte auf Manus 69 Menschen verletzt, ein Lagerinsasse aus dem Iran kam ums Leben. Wochenlange friedliche Proteste waren zuvor in offene Gewalt zwischen Asylsuchenden und Sicherheitskräften umgeschlagen.

Australiens Einwanderungspolitik ist seit langem Gegenstand hitziger Debatten, die nach der Wahl des konservativen Premierministers Tony Abbott im September an Schärfe gewannen. Flüchtlinge, die mit ihren Booten Australien erreichen oder auf See aufgegriffen werden, werden in Lagern auf Manus und im Inselstaat Nauru interniert, während ihre Asylanträge geprüft werden. Doch selbst wenn sie als Flüchtlinge anerkannt werden, erhalten sie nur außerhalb Australiens Asyl. Dazu schloss das Land entsprechende Verträge mit Papua-Neuguinea und Nauru ab. (APA, 1.7.2014)

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