Karnevalstruppen soll es ja nicht mehr geben

1. Juli 2014, 12:30
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Seine Abwehr ließ ihn permanent im Stich: Ohne "Libero" Manuel Neuer stünde Deutschland nicht im Viertelfinale der WM. Und Innenverteidiger Per Mertesacker fand Gelegenheit für klare Worte nach dem hauchdünnen 2:1-Sieg gegen Algerien

Porto Alegre/Santo André - Andreas Köpke musste nicht lange überlegen. "Nur Franz Beckenbauer, vielleicht", antwortete der Torwarttrainer des deutschen Nationalteams mit einem ordentlichen Grinsen auf die Frage, ob er schon einmal einen besseren Libero als Manuel Neuer gesehen habe.

Der Kaiser löste seine Herausforderungen jedoch immer mit Eleganz und Lässigkeit. "Manu der Libero" musste dagegen bei seinen waghalsigen Ausflügen mehrmals Kopf und Kragen riskieren, um Deutschland beim 2:1 nach Verlängerung gegen Algerien ins WM-Viertelfinale am Freitag (18 Uhr MESZ) gegen Frankreich zu retten. Einen ungewöhnlicheren Auftritt eines Goalies hat es bei dieser WM noch nicht gegeben.

Entsprechend wurde der 28-Jährige auch ordentlich gelobt. "Er war überragend gut. Er hat wie ein Libero reagiert und uns vor vielen brenzligen Situationen bewahrt", würdigte DFB-Teamchef Joachim Löw die außergewöhnliche Vorstellung seines besten Abwehrspielers.

Für Köpke ist Neuer schlichtweg "der kompletteste und damit auch beste Keeper der Welt". Dass Oliver Kahn seinem Nachfolger "Harakiri" vorwarf, konnte er überhaupt nicht nachvollziehen. "Das Risiko ist nicht unnötig", konterte Köpke. Die Bilanz von Neuer ist auch nicht so übel: Von 49 Länderspielen mit ihm gewann Deutschland 38, nur drei gingen verloren: bei der WM 2010 gegen Serbien (0:1) und im Halbfinale gegen Spanien (0:1) sowie beim Halbfinal-K.o. gegen Italien (1:2) bei der EM 2012.

Es wurde reagiert

Hocherfreut waren die deutschen Kicker nach ihrem Achtelfinal-Auftritt, der fast in die Hose ging, freilich nicht. Hatte ihr Spiel vor allem in Hälfte eins doch frappant an Rumpelfußball made in Germany zu Beginn dieses Jahrtausends erinnert. "Soll ich mich ärgern, dass wir die nächste Runde erreicht haben? Man kann nicht in allen Matches fantastisch spielen. Was erwarten sie eigentlich?", antwortete Jogi Löw nach dem Geschehenen.

Per Mertesacker zuckte kurzfristig gewissermaßen aus, als ein Reporter des deutschen Fernsehsenders ZDF das Geschehen auf dem Platz kritisch hinterfragte. "Glauben Sie, unter den letzten 16 ist eine Karnevalstruppe?! Was wollen Sie? Wollen Sie eine erfolgreiche WM, oder wollen Sie ausscheiden?" Der Schlusspunkt: "Ich lege mich jetzt drei Tage in die Eistonne, dann analysieren wir das Spiel, und dann sehen wir weiter."

Ob Löw die Mannschaft nach dem Algerien-Match wieder ein wenig durchwürfelt, bleibt freilich abzuwarten. Nach der Verletzung von Shkodran Mustafi hatte Kapitän Philipp Lahm wieder die rechte Seite der Viererkette beackert, Sami Khedira gesellte sich zu Bastian Schweinsteiger ins Mittelfeld. "Man muss abwarten, wie sich der Trainer entscheidet", sagte Lahm. Klar sei aber, "dass wir uns gegen Frankreich steigern müssen". (sid, vet, 1.7.2014)

  • Die "Neuerkette": Nur Kaiser Franz Beckenbauer ist der bessere Libero.
    foto: ap/bensch

    Die "Neuerkette": Nur Kaiser Franz Beckenbauer ist der bessere Libero.

  • Deutschlands langem Innenverteidiger Per Mertesacker ist die Frage nach dem Wie auch mal wurscht.
    foto: apa/messara

    Deutschlands langem Innenverteidiger Per Mertesacker ist die Frage nach dem Wie auch mal wurscht.

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    foto: apa/messara
  • paul heyman

    Per Mertesacker macht sich Luft.

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