ATX-Aufsichtsratschefs hinken beim Gehalt international hinterher

1. Juli 2014, 11:52
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Der Gehaltssprung von 23 Prozent hilft den Vorsitzenden der Aufsichtsgremien nicht aus ihrem Nachzügler-Status heraus

Wien - Die Vorsitzenden der Aufsichtsräte der österreichischen Top-börsennotierten Unternehmen durften sich zuletzt über einen Gehaltssprung von 23 Prozent freuen. Trotzdem sind sie international bei der Vergütung weit abgeschlagene Nachzügler, zeigt die Auswertung der Geschäftsberichte durch den deutschen Unternehmensberater hkp group.

Mit Ausnahme von Mayr-Melnhof weisen alle 20 ATX-Firmen wie gesetzlich vorgesehen die Entlohnung ihrer Aufsichtsräte aus, teils für 2012 und teils für 2013. Die Vorsitzenden des Gremiums, das die Interessen der Eigentümer vertritt, verdienten im Schnitt 65.720 Euro, nach 53.522 Euro im Jahr davor. Für Otto Normalverbraucher sehr viel Geld, aber im zweitwichtigsten Deutschen Index MDAX verdienen ihre Kollegen mit durchschnittlich 188.000 Euro fast das Dreifache, im DAX, dem Top-Index Deutschlands, mit 366.000 Euro mehr als das Fünffache.

Österreich ist mitten in einem Aufholprozess, sagten Björn Hinderlich und Michael Kramarsch von hkp am Dienstag. "Das System wandelt sich von schlecht bezahlten Freunden zu gut bezahlten Profis". Hinderlich und Kramarsch rechnen damit, dass die Aufsichtsratsvergütungen in Österreich in den nächsten Jahren weiter deutlich anziehen werden.

Der in Österreich bestverdienende Aufsichtsratschef, Friedrich Rödler von der Erste Group, bekam mit 126.400 Euro weniger, als ein durchschnittlicher MDAX-Aufsichtsratschef, wobei ATX und MDAX von der Größe der darin abgebildeten Unternehmen durchaus vergleichbar wären. Auch innerhalb Österreichs sind die Unterschiede enorm: Burkhard Hofer erhielt dafür, dass er ein Jahr lang den Aufsichtsrat der EVN führte, lediglich 14.798 Euro.

Große Bandbreite

Die Bandbreite ist allerdings auch international enorm: Rödler ist mit seiner Vergütung im Vergleich der Firmen in STOXX, DAX, MDAX und ATX nur Nummer 107. Im Dax bekommt VW-Aufsichtsratschef Ferdinand Piech als mit Abstand Bestverdiener 1,2 Mio. Euro und schafft damit gerade noch Rang 10. Roche zahlt dem obersten Aufseher mi 7,3 Mio. Euro am meisten, vier Schweizer Firmen (Credit Suisse, UBS, Nestle und Roche) lassen sich die Aufsicht jeweils mehr als 3,8 Mio. Euro kosten.

Auch im Vergleich zu ihren Vorstandschefs sind die Aufsichtsräte in Österreich relativ schlecht bezahlt, gibt hkp zu bedenken. Die CEOs bekommen im Schnitt das 23-Fache ihrer Kontrollore. Umgerechnet würde das einer professionellen Vergütung für nur neun Arbeitstage entsprechen, aber in neun Tagen könne man keine Firma kontrollieren, sagen Kramarsch und Hinderlich. Dazu komme, dass die Topleute Alternativen haben, woanders deutlich mehr zu verdienen. "Dass schon die österreichischen Vergütungen für Normalverdiener viel oder zu viel erscheinen, ist nachvollziehbar, aber man darf den Wettbewerb und die Opportunitätskosten nicht übersehen".

Aufsichtsratschefs sind in Österreich auch im Vergleich zu einfachen Aufsichtsratsmitgliedern im internationalen Vergleich schlechter entlohnt. Sie verdienen "als Daumenregel" in Österreich das Doppelte eines einfachen Mitglieds ihres Gremiums, international hingegen deutlich mehr als das Doppelte. Das ist aus Sicht von Hinderlich und Kramarsch auch gerechtfertigt, denn "wer führt den Dialog mit dem Vorstand, wer ist in die Außenkommunikation eingebunden und führt Vorstandsbesetzungen durch?". Die Arbeitsbelastung der Chefs sei "überproportional".

Im Rahmen der Auswertung stellte hkp fest, dass die Transparenz in den ATX-Unternehmen deutlich zu wünschen übrig lässt. (APA, 1.7.2014)

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