US-Behörden: Rätselraten um Snowden-"Gastgeber" in Hongkong

1. Juli 2014, 10:40
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Ermittler finden keine Anhaltspunkte, was Snowden in den ersten Tagen nach der Flucht gemacht hat 

Mehrere Bücher beleuchten die Flucht des Whistleblowers Edwards Snowden von Hawaii über Hongkong nach Moskau hautnah: Etwa Glenn Greenwalds "No Place to Hide" oder "The Snowden Files" des Guardian-Journalisten Luke Harding. Auch in zahlreichen Interviews gaben Snowden selbst oder seine Unterstützer bereitwillig Auskunft über die Details der Flucht. Die offizielle Version des Whistleblowers wird jedoch jetzt in Medienberichten angezweifelt.

Wall Street Journal: Snowden lügt

Schon in der Vergangenheit wurde, vor allem von US-Politikern, mehrmals der Wahrheitsgehalt von Snowdens Erzählung infrage gestellt. Jetzt gießt das renommierte Wall Street Journal Feuer ins Öl der vermeintlichen Verschwörungstheoretiker: Der investigative Journalist Edward Epstein will herausgefunden haben, dass Snowden erst am 1. Juni 2013 ins Hotel Mira eingecheckt habe, während Snowden selbst immer beteuerte, seit seiner Ankunft in Hong Kong am 20. Mai 2013 "nur im Hotel“ gewesen zu sein.

Kreditkartendaten fehlen

Anonyme Quellen aus Ermittlerkreisen bestätigten gegenüber Epstein, so das WSJ, dass sie "keine Kreditkartendaten" oder andere Belege über Snowdens Aufenthalt zwischen 20. Mai und 31. Mai hätten. Laut Snowdens Anwälten in Hong Kong habe sich in dieser Zeit eine "alte Bekanntschaft“ von Snowden, die „gut vernetzt“ sei, um den Whistleblower gekümmert und etwa mehrere "Safe Houses“ bereitgestellt.

Hongkong hat Auslieferungsabkommen

Das wirft mehrere Fragen auf: Etwa, warum Snowden überhaupt nach Hong Kong flüchtete, verfügt die chinesische Sonderverwaltungszone doch – im Gegensatz zu etwa Brasilien oder Ecuador - über ein Auslieferungsabkommen mit den USA. Später wollte Snowden über Moskau nach Südamerika reisen, dorthin wäre er von seinem Arbeitsort Hawaii aus aber leichter gelangt. Der WSJ-Reporter vermutet daher, dass Snowden schon vor seiner Flucht mit der ominösen "Bekanntschaft“ in Kontakt stand und deshalb nach Hongkong reiste.

Putin: "Kontakt in Hongkong"

Auch soll Snowden seinen Aufenthaltsort erst am 27. Mai, also nach einer Woche in Hongkong, gegenüber den Journalisten Greenwald und Poitras bekanntgegeben haben. Politische Gegner des Whistleblowers haben schon öfter spekuliert, dass Snowden im Auftrag ausländischer Regierungen handelte, was dieser immer vehement abgestritten hatte. Laut dem russischen Präsidenten Putin habe Snowden aber „erst in Hong Kong“ Kontakt mit dem russischen Konsulat aufgenommen.

Zugriff auf hochsensible Daten

Das Wall Street Journal veröffentlichte weiters neue Details zu Snowdens letzter Arbeitsstätte: Im März 2013 war Snowden von Dell zu Booz Allen Hamilton gewechselt, beide Unternehmen agierten im Auftrag der NSA. An seinem neuen Arbeitsplatz habe Snowden jedoch die Möglichkeit gehabt, auf eine Liste gehackter Rechner in Ländern wie Russland, China, Nordkorea und dem Iran zuzugreifen.

Wall Street Journal gehört Murdoch

Die Veröffentlichungen des Wall Street Journals sind allerdings durchaus in einem kritischen Licht zu sehen: Die Zeitung gehört seit 2007 zur News Corp. von Rupert Murdoch, genau wie beispielsweise der rechtspopulistische TV-Sender Fox News, auf dem schon oft gegen Snowden gewettert wurde. Allerdings wird deutlich, so Business Insider, dass hinter der Flucht Snowdens nach Hongkong tatsächlich noch einige Fragezeichen stehen. (fsc, derStandard.at, 1.7.2014)

  • Snowden kurz nach seiner Ankunft am Moskauer Flughafen mit Vertretern von Wikileaks und Human Rights Watch
    foto: human rights watch

    Snowden kurz nach seiner Ankunft am Moskauer Flughafen mit Vertretern von Wikileaks und Human Rights Watch

  • Snowdens einjähriges Asyl in Russland lauft bald aus
    foto: reuters/schemetov

    Snowdens einjähriges Asyl in Russland lauft bald aus

  • Putin bestreitet, schon früher als Juni 2013 Kontakt zu Snowden gehabt zu haben
    foto: reuters

    Putin bestreitet, schon früher als Juni 2013 Kontakt zu Snowden gehabt zu haben

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