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Grillen wie am Spieß

1. Juli 2014, 16:32

Es gibt Geräusche, die glücklich machen. Das Knistern von Anzündeholz ist ein solches, und das Glück kann sich noch steigern, wenn im Kessel des Grills ernsthafte Hitze entsteht und der Grill zu atmen beginnt, zu keuchen, zu fauchen. 

Okay, auch das "Plopp", wenn eine Flasche Bier von ihrer Kapsel befreit wird, ist ein verheißungsvolles Geräusch, und irgendwie gehören Grill und Bier auch zusammen. Zweistimmig erzählen sie uns zum Beispiel die Geschichte eines Samstagnachmittags, dessen Verlauf gleich einige Höhepunkte erreichen wird:

Zuerst die Erwartung, die von der Musik des Grills geschürt wird.

Das "Plopp" des Biers oder Zischen der Mineralwasserflasche, aus der die Kohlensäure entweicht.

Das Knistern der Verpackung, aus der das Grillgut herausgeschält wird, und gleich darauf das Seufzen der Wurst, wenn sich ihre Haut in der Hitze strafft, der sie plötzlich ausgesetzt ist.

Rauch, der Bruder der Hitze

Außerdem bekommt die Akustik des Grills sensorische Unterstützung. Es riecht deutlich und – wenn man die Nase unbedingt in die blau aufsteigenden Schwaden stecken möchte – auch durchaus kräftig nach Rauch, dem Verbündeten dieses Samstagnachmittags. Der Rauch ist nicht nur der Bruder der Hitze, die unsere Wurst vom rohen in den gegarten Aggregatzustand überführt, sondern auch das wichtigste Aroma, das nicht in der Wurst selbst (oder dem Fleisch oder der Marinade steckt, in der das Fleisch gelegen ist).

Der Rauch macht die Wurst erst zur Attraktion des Samstagnachmittags. Er verwandelt sie in einen Höhepunkt für alle Sinne. Wenn wir die Minuten überstanden haben, in welchen der singende Grill zusätzlich auch nach Wurst zu duften beginnt – geht oft mit abrupter, animalischer Vorfreude einher, die mit der Phrase „Mir läuft das Wasser im Munde zusammen“ nur unzureichend beschrieben wird; dem Spruch fehlt das Raubtierhafte, der unbedingte, killermässige Wunsch, jetzt und hier von einer Wurst abzubeissen, aber schnell – , gehen wir nämlich an die finale Bewältigung unserer Aufgabe: den Verzehr.

Vom richtigen Moment des ersten Bisses

Wobei: Aufgepasst. Es sind entscheidende Momente, die wir jetzt verstreichen lassen müssen. Es geht dabei nicht nur darum, den Grad unserer Kultiviertheit unter Beweis zu stellen. Der Ansatz ist viel radikaler: Beißen wir sofort in die Wurst, weist uns diese möglicherweise ziemlich brutal darauf hin, dass ihre Kerntemperatur höher ist als unsere Lippen das tolerieren (Käsekrainer mit ihrer flüssigen Füllung haben da ein besonderes erzieherisches Potential).

Lassen wir aber die nötige Zeit verstreichen und beißen wir erst dann in unsere Wurst, wenn diese sich auf eine gerade noch erträgliche Temperatur abgekühlt hat, dann wartet ein vielfältiger, auf alle Sinne zielender Genuss auf uns: der rauchige Geschmack, der die heiße Kruste der Wurst umhüllt; der kräftige, würzige Geschmack, der sich an unserem Gaumen offenbart; die Konsistenz, die zwischen grob und dicht (außen) und zart und fluffig (innen) oszilliert.

Und natürlich das unvergleichliche Geräusch, das eine gegrillte Wurst erzeugt, wenn man von ihr abbeißt: ein euphorisches Geräusch. Ja: Gewisse Geräusche machen glücklich.


Weiterlesen im Blog von Franz Radatz.

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    foto: radatz
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