Und am Ende siegen die Deutschen

1. Juli 2014, 00:48
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Favorit muss gegen Algerien über 120 Minuten gehen, ehe Schürrle und Özil das Team von Jogi Löw erlösen. Später Anschlusstreffer von Djabou zum 1:2

Porto Alegre – Irgendwie hatte sich der deutsche Verdruss schon vor Anpfiff angekündigt. „Ich drücke den Jungs ‚aus dem Bett‘ die Daumen“, twitterte der vergrippte Hummels, für den Boateng ins Abwehrzentrum rückte. Mustafi kam zum zweiten Einsatz.

Schweinsteiger erhielt gegenüber Khedira den Vorzug, für den angeschlagenen Podolski sollte Götze geigen. Doch in Löws Elf lief im Estadio Beira-Rio von Beginn an offensiv gar nichts, das Mittelfeld wurde zum Durchhaus, was wiederum die Abwehr in heilloses Chaos stürzte.

Wie heikel die Aufgabe tatsächlich werden würde, deutete sich nach nicht einmal neun Minuten an. Einem leichtsinnigen Ballverlust folgte schnelles algerisches Spiel in die Spitze. Neuer, der zum besten Verteidiger seiner Mannschaft werden sollte, sah sich zu einem heißen Laufduell mit Slimani genötigt, das der Goalie gegen den flinken Stürmer von Sporting Lissabon nur knapp für sich entscheiden konnte. Unmittelbar danach prüfte ihn Feghouli ernsthaft aus der Ferne.

Der schmale Grat

Ein Schuss von Schweinsteiger sollte Sicherheit bringen (14.), aber auf welch schmalem Grat sich der Favorit bewegte, zeigten ein ums andere Mal die Probleme, die die Abwehr, allen voran Boateng hatte. Je nach Sichtweise Glück oder Pech etwa, dass Slimani per Kopf aus Abseitsposition ins Tor traf (17.) und wenig später Ghoulam knapp vorbeischoss. Nach 20 Minuten hätten die Algerier gegen konfuse Deutsche jedenfalls führen müssen.

Nur zögernd, und weil der von Coach Halilhodzic klug eingestellte Außenseiter das Tempo drosseln musste, fand Deutschland Tritt. Erst verfehlte Müller per Kopf (35.), dann konnte Algeriens unsicher wirkender Goalie M’Bolhi einen Özil-Schuss nicht festhalten. Und nach Kroos’ Versuch, den M’Bolhi nicht arretieren konnte, hätte Götze gegen den Verlauf treffen müssen (40.).

Bundestrainer Löw, regelrecht außer sich, reagierte auf die Gefahr einer dritten Niederlage im dritten Duell mit Algerien nach 1964 (0:2) und 1982 (1:2 in der WM-Vorrunde, es folgte Gijon). Schürrle sollte statt Götze Zug zum Tor erzeugen, und die Rechnung ging auf. Vom Chelsea-Legionär kamen gleich vielversprechende Aktionen, doch Moustafi (49., Kopf) und Lahm (55., Schuss) fanden in M’Bolhi, dem eingeschossenen Schlussmann von ZSKA Sofia ihren Meister.

Schürrles Ferse ins algerische Herz

Weil dann Mustafi verletzt vom Platz musste, kam Khedira, Lahm zog sich in die Abwehr zurück, in der Neuer weiter hellwach agierte. Auch Laserpointer, vom algerischen Anhang schon gegen Belgien eingesetzt, wofür der Verband eine Geldstrafe von 50.000 Schweizer Franken ausgefasst hatte, konnten ihn nicht irritieren. Gegen Slimani, der erstmals mit einem Schuss tatsächlich das deutsche Tor traf, verhinderte er den Rückstand (75.). Und auf der Gegenseite wuchs M’Bolhi im Duell mit Müller gar über sich hinaus (80.). Deutschland setzte alles auf eine Karte, riskierte algerische Konter, und Neuer lief als verkappter Libero soviel wie wohl noch nie in seiner Karriere.

Dann war die dritte Verlängerung der WM angesagt, aber nicht das dritte Elferschießen, denn nach perfekter Vorarbeit Müllers traf Schürrle mit der Ferse ins algerische Herz (95.). Das war auch nicht gebrochen, als Özils Tor nach Vorlage von Schürrle die letzte afrikanische Mannschaft endgültig aus dem Turnier geworfen hatte (119.). Djabou gelang noch der Anschluss (121.)

Am Freitag wartet Frankreich, gegen das Deutschland ebenfalls eine negative Bilanz hat – elf Niederlagen bei acht Siegen. (lü, DER STANDARD, 01.07.2014)

Deutschland - Algerien 2:1 n.V. (0:0, 0:0). Porto Alegre, Beira-Rio-Stadion, 43.000, SR Ricci (BRA).

Torfolge: 1:0 ( 92.) Schürrle

2:0 (119.) Özil

2:1 (121.) Djabou

Deutschland: Neuer - Mustafi (70. Khedira), Mertesacker, Boateng, Höwedes - Schweinsteiger (109. Kramer), Lahm, Kroos - Özil, Müller, Götze (46. Schürrle)

Algerien: M'Bolhi - Mandie, Mostefa, Belkalem, Halliche (97. Bouguerra), Ghoulam - Lacen - Taider (78. Brahimi), Feghouli, Slimani - Soudani (100. Djabou)

Gelbe Karten: Lahm bzw. Halliche

  • Knapp war's für Algerien.
    foto: apa/epa/babani

    Knapp war's für Algerien.

  • Späte, deutsche Liebe.
    apa/epa/weiken

    Späte, deutsche Liebe.

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