Rock 'n' Roll, hohe Politik und Korruption

30. Juni 2014, 22:14
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Argentiniens skandalöser Vizepräsident Amado Boudou.

Er trägt Lederjacken, fährt eine Harley, liebt schöne Frauen, spielt Gitarre und feiert gern. Amado Boudou gibt sich wie ein Rockstar - doch er ist Politiker und muss sich nun wegen Korruptionsverdachts verantworten.

Eine nicht gerade ruhmreiche Premiere in der argentinischen Geschichte, denn Boudou ist immerhin der Vizepräsident des Landes. Die Justiz wirft ihm vor, 2010 als Wirtschaftsminister über einen Strohmann eine Banknotendruckerei gekauft zu haben.

Der 51-Jährige, der sich oft und gern stundenlang im Spa verwöhnen lässt, war von Staatspräsidentin Cristina Kirchner persönlich ausgesucht worden: Er genoss das Vertrauen der Finanzwelt, stand aber auch fest hinter dem staatskapitalistischen Wirtschaftsmodell; außerdem spricht er die Jugend an und gilt als loyal. Doch Kirchners verstorbener Mann Nestor hatte ihn als "Scharlatan" bezeichnet, und die Linksperonisten rümpften stets die Nase wegen Boudous "neoliberaler Herkunft".

2007 wollte Boudou noch auswandern und sein Glück als Rockmusiker in den USA versuchen - doch ein Jahr später ernannte ihn Kirchner zum Chef der Sozial- und Pensionsversicherung und betraute ihn mit deren Verstaatlichung. 2009 machte sie ihn zum Wirtschaftsminister, danach zum Vizepräsidenten. Mit der Rockband Mancha de Rolando sang er im Wahlkampf "Herr Bankdirektor, geben Sie mir mein Geld zurück!".

Der geschiedene, heute mit einer TV-Journalistin liierte Ökonom hat aber nicht nur Freunde. Der Handelsminister nannte ihn einen "Faulpelz"; und Kommentatoren schrieben, Boudous Diskurs sei "inkonsistent". Der oppositionelle Clarín berichtete über seinen Vermögenszuwachs zwischen 2009 und 2010 um 64 Prozent.

Das Fass zum Überlaufen brachte seine Partylaune, die nicht zum frugalen Image der Regierung passt: Als er feuchtfröhlich an seinem 49. Geburtstag in Badeshorts an der E-Gitarre abrockte und die Regierung einschreiten musste, um die Veröffentlichung der einschlägigen Fotos zu verhindern, strafte ihn die Präsidentin mit der kalten Schulter. Als dann noch die Justizprobleme auftauchten, wurde Boudou vollends aus ihrem Dunstkreis verbannt. Ade, Kirchner-Nachfolge.

Ein findiger Spielzeughersteller hat nun die "Amado Vudú"-Puppe kreiert: "Pikse Stecknadeln hinein, und deine Wünsche gehen in Erfüllung", steht in der Anleitung. Ob die Präsidentin selbst schon davon Gebrauch gemacht hat, ist nicht überliefert. (Sandra Weiss, DER STANDARD, 30.6.2014)

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