Abtreibungsdebatte in den USA: Hilfe statt Polemik

Kommentar1. Juli 2014, 05:30
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Frauen brauchen Unterstützung, keine fanatischen "Gehsteigberaterinnen" vor der Klinik

Das Recht auf den eigenen Körper, auf die Unversehrtheit und Würde gilt offensichtlich nicht überall und schon gar nicht für Frauen. Sobald es darum geht, ob und wie eine Schwangerschaft zu Ende gebracht wird, fühlen sich andere zuständig - und verschaffen sich dafür erschreckenderweise immer mehr Gehör. Nicht nur in den USA, sondern aktuell auch in Spanien oder Polen.

Von der katholisch angehauchten "Gehsteigberaterin" bis zum politisch motivierten Eiferer, sie alle haben in der Frage, ob eine Frau ihr Kind bekommt oder nicht, nichts zu melden. Das Recht auf freie Meinungsäußerung, wie es der Oberste Gerichtshof für die Aufhebung der Schutzzonen begründet hat, kann heutzutage leichter gelebt werden denn je: Von der Facebook-Gruppe bis zum Blog kann jeder seine noch so krude Weltanschauung verbreiten.

Noch besser wäre es allerdings, den verzweifelten Frauen nicht die eigene Gesinnung aufzudrücken, sondern ihnen tatsächlich Hilfe anzubieten, etwa in der Form von Kinderbetreuung oder finanzieller Unterstützung - das sind die häufig genannten Gründe für einen Abbruch.

Die Frage, ob sich jemand imstande fühlt, ein Kind zu versorgen, ist eine ganz persönliche. Wenn Frauen ihr Schicksal wegen moralischer Ansichten Unbeteiligter selbst in die Hand nehmen müssen, bedeutet das schmutzige Praxen und illegal besorgte Medikamente. Oder im schlimmsten Fall den Griff zum Kleiderbügel. (Julia Herrnböck, DER STANDARD, 1.7.2014)

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