Geheimfavorit gegen Obamas Favorit

30. Juni 2014, 17:10
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Belgier mit Sorgen, aber mit den größeren Talenten im Achtelfinale gegen die Vollgas-Mentalität von Klinsmanns USA

Salvador - Drei Siege in der Vorrunde, souveräner Einzug ins Achtelfinale - wie stark aber Belgien tatsächlich ist, wusste die Mannschaft von Marc Wilmots bisher zu verschleiern. Möglich, dass am Dienstag im Achtelfinale zu Salvador (22 MESZ) die US-Boys von Jürgen Klinsmann das Geheimnis lüften können.

"Sie sind körperlich sehr stark und geben immer Vollgas. Das wird ein Kampf", sagte Wilmots jedenfalls. Er selbst hat schon vor dem Spiel zu kämpfen. Kapitän Vincent Kompany und Thomas Vermaelen, zwei Stammkräfte der bisher fast makellosen Verteidigung, sind fraglich. Die Ergänzungsspieler Steven Defour (ein Spiel gesperrt) und Anthony Vanden Borre (Wadenbeinbruch) fallen aus. Die zuletzt angeschlagenen Laurent Ciman (Adduktorenprobleme) und Moussa Dembélé (muskuläre Probleme) trainierten am Sonntag wieder mit.

USA mit Appetit

"Wir dürfen nicht zufrieden sein. Was wir jetzt brauchen, ist der Hunger auf den nächsten Schritt", sagt Klinsmann, der wohl erneut auf den verletzten Stürmer Jozy Altidore verzichten muss.

In den USA wird die Partie zum Quotenhit. ESPN erwartet 20 Millionen Zuseher, landauf, landauf gibt es Public Viewings, und Präsident Barack Obama spricht gar schon vom Titelgewinn. Der Rückflug der Mannschaft ist jedenfalls für den Tag nach dem Finale gebucht.

Dass sein junges Team als Favorit ins Spiel geht, ist für Wilmots kein Problem. "Wir nehmen die Rolle an", sagte Wilmots. Auch die vergleichsweise großen Verletzungssorgen bereiten dem ehemaligen Nationalmannschaftskapitän keine Kopfschmerzen. "Ich habe 23 Spieler", betonte er, "meine Startelf ist nie dieselbe, weil der Gegner nicht derselbe ist." Wie breit sein Kader ist, zeigte sich schon in der Vorrunde. Drei der vier Tore erzielten Einwechselspieler.

Belgiens Weg

Dass der 45-Jährige in Brasilien eine faszinierende Ansammlung begehrter Jungstars zur Verfügung hat, liegt an den Enttäuschungen bei der Heim-EM 2000 (Aus in der Vorrunde) und dem Achtelfinal-Aus eines in die Jahre gekommenen Teams bei der WM 2002. Da war Wilmots selbst noch aktiv.

"Die Belgier haben ihre Nationalmannschaft infrage gestellt. Sie war ihnen peinlich", erinnert sich Michel Sablon in einem BBC-Interview, "wir waren als Fußballnation fast vergessen." Der damalige Technische Direktor des belgischen Verbands spürte: "Wir mussten komplett neu starten. Ich hatte einen Plan, alles umzukrempeln."

Tabellen abgeschafft

Nachdem er sich in den Nachbarländern auf Factfinding-Mission begeben hatte, entwarf Sablon ein Programm, das den belgischen Fußball revolutionierte. Jedes Jugendteam im ganzen Land sollte das flexible 4-3-3-System der Nationalmannschaft spielen. In den untersten Altersklassen wurden die Tabellen abgeschafft, nicht das Ergebnis, sondern die Entwicklung der Spieler sollte zählen. Überdurchschnittliche Talente sollten schneller in älteren Teams spielen. Die Besten wurden in acht Leistungszentren trainiert.

"Das hat mich am Anfang nicht besonders populär gemacht", erinnert sich Sablon. Aber nach einigen Jahren trug das neue Programm Früchte. Heute wird dem drittjüngsten WM-Team mit einem Durchschnittsalter von 26 Jahren laut Transfermarkt.de ein Marktwert von 348 Millionen Euro zugeschrieben. Das ist Platz fünf bei der WM hinter Spanien, Deutschland, Argentinien und Frankreich - vor England und Italien. (sid, red, 30.6.2014)

WM-Achtelfinale:

Belgien - USA (Dienstag, 22.00 Uhr MESZ, Salvador, Arena Fonte Nova, SR Djamel Haimoudi/ALG)

Belgien: 1 Courtois - 2 Alderweireld, 15 Van Buyten, 4 Kompany, 3 Vermaelen - 8 Fellaini, 6 Witsel - 14 Mertens, 7 De Bruyne, 10 Hazard - 9 Lukaku

Ersatz: 12 Mignolet, 13 Bossut - 5 Vertonghen, 18 Lombaerts, 19 Dembele, 22 Chadli, 17 Origi, 11 Mirallas, 20 Januzaj

Es fehlt: 16 Defour (gesperrt), 21 Vanden Borre (Wadenbeinbruch), 23 Ciman (Adduktorenverletzung)

Fraglich: 3 Vermaelen (Oberschenkelzerrung), 4 Kompany (Leistenbeschwerden)

Teamchef: Marc Wilmots

USA: 1 Howard - 23 Johnson, 3 Gonzalez, 5 Besler, 7 Beasley - 15 Beckerman, 13 Jones - 19 Zusi, 4 Bradley, 14 Davis - 8 Dempsey

Ersatz: 12 Guzan, 22 Rimando - 2 Yedlin, 20 Cameron, 6 Brooks, 21 Chandler, 10 Diskerud, 11 Bedoya, 16 Green, 17 Altidore, 18 Wondolowski, 9 Johannsson

Teamchef: Jürgen Klinsmann (GER)

  • Belgiens Teamchef Marc Wilmots schaut einer bemerkenswerten Ansammlung talentierter Fußballer auf die Beine.

    Belgiens Teamchef Marc Wilmots schaut einer bemerkenswerten Ansammlung talentierter Fußballer auf die Beine.

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