Prozess in Wien: Fortunas manipulierte Huld

1. Juli 2014, 08:39
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Ein 24-Jähriger soll mit manipulierten Wettscheinen in kurzer Zeit 32.000 Euro ergaunert haben. Er gesteht und schildert, wie leicht das für Insider geht

Wien - In nur dreieinhalb Wochen soll Herr A. im Frühjahr beachtliche 32.000 Euro Beute mit manipulierten Wettscheinen gemacht haben. Als Insider, arbeitete er doch bei einer Firma, die für die Verwaltung der Belege mehrerer Anbieter zuständig war. Das Motiv des 24-jährigen Studenten und Angestellten: 6.000 Euro Schulden, auch wegen der eigenen Spielsucht.

"Service-Engineer" sei seine Jobbeschreibung bei der Firma gewesen, erklärt er dem Schöffensenat unter Vorsitz von Stefan Renner. "Nach einer Woche bekam ich den Auftrag, nicht abgeholte Gewinne aus dem System auszubuchen." Nach 60 bis 90 Tagen ist in der Branche nämlich Fortunas Huld geldmäßig wertlos.

Er erzählte von dem Auftrag einem Kollegen, der ihn nach seiner Darstellung gleich in den Trick einweihte. Durch eine Manipulation des zwölfstelligen Codes auf dem Schein konnte man ihn nämlich doch zu Geld machen, wenn man auf unaufmerksame Angestellte traf.

Geld gleich wieder verspielt

Das ging so einfach, dass er über 80 Scheine veränderte, was ihm nun die Anklage wegen gewerbsmäßigen schweren Betrugs einbrachte. Eingelöst hat er die Scheine immer bei den ausstellenden Wettlokalen, da dort das Ablaufdatum weniger genau kontrolliert werde. Erst Mitte März geriet er an den Falschen und flog auf.

"Was haben Sie mit dem Geld gemacht?", fragt ihn Renner. "Gleich dort wieder in den Automaten verspielt", gesteht der Angeklagte ein. Die gut 12.000 Euro, die sein Ex-Arbeitgeber von ihm will, möchte er so rasch wie möglich zurückzahlen.

Staatsanwältin Pina Mosier fordert "aus spezial-, aber besonders generalpräventiven Gründen eine Strafe im mittleren Bereich". Verteidiger Alexander Philipp will das bei einer Strafandrohung von einem bis zehn Jahren Haft naturgemäß nicht. "Es hätte gescheitere Möglichkeiten gegeben, Geld zu verdienen", konzediert er. Doch man dürfe A. das Leben nicht verbauen.

Der Senat sieht das auch so. Mit 18 Monaten bedingt gibt es eine milde Strafe, die noch nicht rechtskräftig ist. (Michael Möseneder, derStandard.at, 1.7.2014)

  • Für Angestellte lassen sich Wettscheine bisweilen einfach manipulieren.
    foto: marcus brandt dpa/lno

    Für Angestellte lassen sich Wettscheine bisweilen einfach manipulieren.

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