Gräben für Vorführzwecke

30. Juni 2014, 17:57
4 Postings

Wie der Erste Weltkrieg auch Salzburg in Atem hielt, zeigt die Schau "Krieg. Trauma. Kunst" beklemmend anschaulich

Salzburg - Bereits vor 1914 führte die fürchterliche Kombination aus Nationalismus, Imperialismus und Aufrüstung zu diversen Kriegen. Franz Conrad von Hötzendorf, Chef des Generalstabs der k.u.k. Armee, hatte seit Jahren Präventivschläge gegen Italien, Russland und Serbien geplant. Erstmals wurde ein Krieg nicht nur auf den Schlachtfeldern, sondern auch mit Worten und Bildern ausgetragen.

Die Kontrolle über alle Veröffentlichungen hatte das k.u.k. Kriegspressequartier, für die Propagandatruppe arbeiteten Stefan Zweig und Franz Karl Ginzkey, die Maler Ferdinand Andri, Felix Albrecht Harta, Oskar Laske und Arthur Stadler sowie die Journalistin Alice Schalek. Letztlich ließen die Kriegsgräuel Zweig und Stadler zu Pazifisten werden. Die Schau Krieg. Trauma. Kunst thematisiert alle Aspekte des Ersten Weltkriegs: von der Propaganda und dem Wahnsinn an den Fronten bis zur Erinnerungskultur. Während der Expressionismus bereits vor 1914 entstand, sind Dadaismus bzw. Surrealismus und Konstruktivismus als einzige künstlerische Innovationen während der Kriegszeit anzusehen. Vor allem der Dadaismus ist ein direkter, ironisch-nihilistischer Protest gegen das organisierte Morden und eine Gesellschaft, die es ausgebrütet hatte.

Salzburg war zwar nicht Kriegsgebiet, aber Fotos zeigen, dass etwa im Volksgarten Schützengräben zu Vorführzwecken errichtet wurden. Dass Hunger und Fronterlebnisse 1918 eine revolutionäre Stimmung erzeugten, beweisen Aufnahmen von Demonstrationen auf dem Mozartplatz. Neben Fotos, Postkarten und Objekten liegt der Schwerpunkt der Schau auf Werken von Anton Faistauer, Josef Schulz, Arthur Stadler, Karl Reisenbichler und Alfred Kubin. (Gerhard Dorfi, DER STANDARD, 1.7.2014)

Salzburg Museum, 0662/ 62 08 08. Di-So: 9.00-17.00

  • Autor Stefan Zweig wurde unter dem Eindruck der Kriegsgräuel zum überzeugten Pazifisten.
    foto: stefan zweig center

    Autor Stefan Zweig wurde unter dem Eindruck der Kriegsgräuel zum überzeugten Pazifisten.

Share if you care.