TU Wien: Verwertbare Gase aus Kunststoff- und Holzabfällen 

30. Juni 2014, 15:00
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Breit anwendbares "Dual-Fluid Wirbelschicht"-Verfahren macht aus Abgasen hochwertige Produktgase

Wien - Mit einer an der Technischen Universität (TU) Wien entwickelten Methode können auch aus Altholz- und Kunststoffabfällen hochwertige Gase gewonnen werden. Das zeigte die Verfahrenstechnikerin Veronika Wilk im Rahmen ihrer Dissertation. Die Technik könnte demnächst in der Industrie Anwendung finden, hieß es in einer Aussendung der TU.

Bei der Verbrennung von festen Materialien entstehen heiße Abgase. Darin befinden sich unterschiedliche, oft auch umweltschädliche Bestandteile. Beim Verbrennen nützt man zwar die Energie des Materials, das Potenzial der verschiedenen molekularen Bestandteile im Abgas bleibt aber ungenützt.

Bei der am Institut für Verfahrenstechnik, Umwelttechnik und Technische Biowissenschaften der TU entwickelten "Dual-Fluid Wirbelschichttechnologie" wird der Brennstoff vielfältiger genützt: In einer Kammer findet die Verbrennung statt, in einem weiteren Reaktor werden aus den Abgasen dann sogenannte Produktgase gemacht.

Bei der Methode entströmt aus dem Verbrennungs-Behälter sauberes Abgas. Verunreinigungen wie etwa Stickstoff oder Schwefel kommen mit dem Produktgas aus dem Vergasungs-Behälter. Das hochwertige Gas wird gereinigt und kann dann weiterverwendet werden. Die Wärme, die im Verbrennungsbehälter entsteht, wird für die Umwandlung der Abgase benötigt und mit Hilfe von heißem Sand in den Vergasungs-Behälter transportiert.

Verfahren für zahlreiche Kunststoffe geeignet

In Oberwart und Güssing stehen zwei Anlagen in Betrieb, an denen bereits seit Jahren mit diesem System erfolgreich Brennstoffe wie Hackschnitzel in Produktgase umgewandelt werden. Wilk ging nun in mehreren Versuchen der Frage nach, ob das Verfahren auch für gewöhnliche Kunststoffe wie Polyethylen, Polypropylen oder PET, Abfallkunststoffe aus der gelben Tonne, geschredderte Kunststoffteile von Autos und Altholz aus dem Sperrmüll oder aus der Holz verarbeitenden Industrie geeignet ist. Ihr Fazit: "All diese Materialien können problemlos ohne Einschränkungen vergast werden."

Je genauer bekannt ist, welche Kunststoff-Art verarbeitet wird, desto einfacher sei es, am Ende das wertvolle Produktgas von den Verunreinigungen zu trennen. Abfälle aus Haushalten zu verwerten sei schwieriger, weil sie aus einer Vielfalt unterschiedlicher Stoffe bestehen.

"Speziell für Industriebetriebe, bei denen große Mengen von Kunststoffabfall anfällt, ist diese Art von Verwertung sinnvoll", so Wilk. Aus dem Gas könne etwa Methan gewonnen und dieses dann wiederum in Treibstoff umgewandelt werden. Auch die Gewinnung neuer Kunststoffe aus dem Produktgas sei grundsätzlich möglich, so die Forscherin. (APA/red, derStandard.at, 30.6.2014)

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