Wie die Welt zum globalen Basar wird

30. Juni 2014, 14:35
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Europas Google-Vizechef Matt Brittin klärt in Wien über die Bedeutung des Internets auf und erzählt, warum er Google für keine Datenkrake hält

Wien - Während Google rund um die Entwicklerkonferenz I/O in San Francisco die Freund- und Feindgemeinde mit den Visionen für eine vernetzte Welt wechselweise begeisterte und konsternierte, machte Matt Brittin einen Abstecher nach Wien. Das Thema, das der Vize-Präsident für Google-Europa hierzulande auf Einladung der Wirtschaftskammer mit heimischen Unternehmern diskutieren wollte, war für Brittin ein Heimspiel. Nicht Googles Betriebssystem Android, das in Autos, am Handgelenk und in den Wohnzimmern Einzug halten soll, nicht Cloud Computing, das in Folge der NSA-Affäre bei den Unternehmen auf noch mehr Skepsis stößt, nicht das heiß umfehdete Leistungsschutzrecht oder andere brisante Themen standen auf der Agenda. Am Exporttag ging es um die Verheißung, dass die Internetpräsenz den Zugang in die große weite Welt der wachsenden Konsumentenzahl gewähren kann.

Märkte der Zukunft

Laut Brittin tun sich riesige Märkte auf, wie er im Gespräch mit dem Standard wiederholt, was er zuvor den Firmenbossen erklärte. Die Botschaft an die heimischen Firmen: Wer nicht online ist, verwehrt sich selbst den Zugang zur Lebensader der Zukunft. "15 Prozent der österreichischen Unternehmen haben überhaupt keine Onlinepräsenz, dabei ist es wichtig, sowohl im Online- als auch im Mobil-Bereich vertreten zu sein“, betont der Brite, stellt doppelt so hohe Exporte in Aussicht und  verweist darauf, dass die Menschen immer häufiger den Weg ins Internet via Mobiltelefon wählen.

Gerade für Österreich als Exportnation hält Brittin es für unabdingbar, die Märkte der Zukunft weltweit zu erschließen. 2,5 Milliarden Menschen sind heute online, im Jahr 2020 werden es doppelt so viele sein. Brittins Credo: Das Internet biete die Möglichkeit, eine globale Zielgruppe möglichst effizient zu erreichen. Mit den richtigen Werkzeugen, die auch Google bereit hält, wie sich von selbst versteht. Was den weiteren Erfolg bremsen kann? Geht es nach Brittin, so sind es keinesfalls datenhungrige Konzerne, die im Ruf stehen, sich beim Umgang mit Nutzerdaten nicht gerne in die Karten schauen zu lassen.

Google will keine Datenkrake sein

Googles Reputation als Datenkrake kann der Google-Mann ohnedies nicht nachvollziehen: "Unser Geschäft basiert auf Transparenz und Wahlfreiheit. Wenn Sie wissen wollen, welche Daten wir nutzen, so können Sie das ganz exakt nachvollziehen. Und wir lassen Ihnen auch die Wahl.“ Was das jüngste Urteil des Europäische Gerichtshof betrifft, dass Europas Bürger von Google verlangen können, Links zu unangenehmen Zeugnissen aus ihrer Vergangenheit aus den Suchergebnissen verschwinden zu lassen, so ist Brittins Ansicht dazu eindeutig: "Wenn Ihnen in der Vergangenheit nicht gefallen hat, was Sie bei Google über sich gefunden haben, haben wir Sie zur Website geschickt, wo diese Information publiziert wurde. Jetzt muss Google die betroffenen Informationen auf Ansuchen herunternehmen, während diese weiterhin auf der Seite der Zeitung zu finden sein werden. Das ist eine eigenartige Situation.“

Google arbeite jedenfalls hart an der Umsetzung, so Brittin. Tatsächlich fängt der US-Konzern bereits an, Links zu Internetseiten zu löschen. Für Brittin ist die EuGH-Entscheidung jedenfalls "ein guter Punkt, um die Diskussion zu starten, welche Möglichkeiten das Internet Europa bietet.“ (rebu, derStandard.at, 30.6.2014)

  • Manchmal kommen die Kunden zum Unternehmen, so wie hier Queen Elizabeth II auf einem Markt in Belfast. Der umgekehrte Weg ist mittlerweile allerdings mindestens so wichtig.

    Manchmal kommen die Kunden zum Unternehmen, so wie hier Queen Elizabeth II auf einem Markt in Belfast. Der umgekehrte Weg ist mittlerweile allerdings mindestens so wichtig.

  • Matt Brittin in London
    foto: apa/hurson

    Matt Brittin in London

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