Opernfestspiele St. Margarethen: "Aida"-Premiere trotz Insolvenz 

30. Juni 2014, 13:16
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Konkurs wegen angeblicher Schulden in Millionenhöhe

St. Margarethen/Pitten - Nächster Akt bei den Opernfestspielen St. Margarethen: Wie am Montag bekannt wurde, ist das Unternehmen Opernfestspiele St. Margarethen GmbH & CoKG mit Firmensitz im niederösterreichischen Pitten laut Creditreform insolvent. Nach den Streitereien mit Steinbruch-Eigentümer Esterhazy folgte damit nun der nächste Paukenschlag. Die "Aida"-Premiere nächste Woche soll trotz Pleite über die Bühne gehen.

Die Opernfestspiele sind mit rund 4 Mio. Euro überschuldet. Der Gläubigerschutzverband Creditreform beziffert die Aktiva mit 5,1 Mio. Euro, die Passiva mit 9,1 Mio. Euro. Betroffen sind 16 Mitarbeiter und 80 Gläubiger. Die Opernfestspiele haben im Sanierungsplan den Gläubigern eine 20-prozentige Quote vorgeschlagen. Gläubiger können Ihre Forderungen bis zum 28. August anmelden.

Die Insolvenzursachen liegen laut Gläubigerschutzverband in steigenden Kosten, weil man dem "anspruchsvoller werdenden Publikum auch ein angemessenes Rahmenprogramm mit Gastronomie und umfassendem Komfort bieten musste". Dazu komme - Stichwort Open Air -, dass die Aufführungen stark witterungsabhängig seien und daher die Zahl an Veranstaltungen voriges Jahr rückläufig war. Kürzlich sollen auch hohen Abgaben- und Beitragsnachforderungen gestellt worden sein.

Pressekonferenz am Dienstag

Sowohl die Opernfestspiele als auch die Esterhazy Betriebe in deren Funktion als Eigentümer des Römersteinbruchs, in dem seit 1996 nahezu jährlich große Opern-Produktionen gezeigt wurden, wollten sich am Montag nicht zur Insolvenz des Unternehmens äußern. "Wir können heute keine Stellungnahme abgeben", hieß es seitens der Opernfestspiele. Die Beteiligten verwiesen auf ein Pressefrühstück mit Intendant Wolfgang Werner und Esterhazy-Direktor Karl Wessely am Dienstag. Thema ist "Opernfestspiele St. Margarethen: Vorhang auf für eine erfolgreiche Zukunft", zu dem das Unternehmen noch vor Bekanntwerden der Insolvenz geladen hatte.

Laut "BVZ" werden die Opernfestspiele vorerst von der Wiener Firma "Arenaria" weitergeführt. Sowohl der Premiere nächste Woche (9. Juli) als auch dem weiteren Spielbetrieb im heurigen Sommer steht dem Vernehmen nach somit nichts im Weg.

Seit April reißen die Gerüchte um die Opernfestspiele nicht ab: Am 23. April sorgte ein Bericht des ORF über die Zukunft der Opern im Steinbruch - heuer inszeniert Hollywood-Regisseur Robert Dornhelm - für Aufsehen. Die Esterhazy Betriebe GmbH meinte, dass "Aida" im heurigen Sommer die letzte Produktion von Intendant Werner sein sollte. Dieser pochte jedoch auf seinen Vertrag bis 2016.

Konkret ging es um den Spielplan für 2015. Während Werner "Troubadour" produzieren wollte, schwebte den Verantwortlichen der Esterhazy Betriebe Puccinis "Tosca" für die nächste Opern-Saison vor - und zwar mit einem anderen, neuen Veranstalter. Als Grund wurde damals unter anderem der deutliche Zuschauerrückgang in den vergangenen Jahren und der Publikumsgeschmack - Stichwort Wiederholungen mancher Opern alle paar Jahre - genannt. Ein großes Bühnenbild sei für die neuen Publikumsschichten, die man in Zukunft gewinnen müsse, nicht ausreichend, hieß es damals vom Eigentümer der Spielstätte.

Finanzielle Unterstützung

Auch die Finanzen standen bereits im April zur Debatte: Esterhazy hatte angeboten, die heurige Produktion mit einem Budget von 250.000 Euro zu unterstützen. "Darin enthalten sind zusätzliche notwendige Marketing-Anstrengungen, finanzielle Unterstützung für die deutlich teurere Technik, die Robert Dornhelm 2014 einsetzen will und für attraktive Events für Promotionzwecke. Dieses Angebot an die Opernfestspiele haben wir schon vor drei Monaten gemacht; leider ist von Wolfgang Werner dazu bei uns bis heute keine Antwort eingetroffen".

Es folgte die Zusage einer Finanzspritze vom Land für die heurige Produktion: "Die Opernfestspiele St. Margarethen sind aufgrund der schwierigen wirtschaftlichen letzten Jahre in finanzielle Nöte geraten. Um zu gewährleisten, dass die heurige Saison gespielt werden kann, wird das Land eine größere finanzielle Zuwendung gewähren, um eben zu ermöglichen, dass gespielt wird", erklärte Kulturlandesrat Helmut Bieler (SPÖ) nach Bekanntwerden des Zwists damals am Rande einer Pressekonferenz in Eisenstadt.

Eine Woche später, am 30. April, sorgte eine Location-Suche von Werner in Neusiedl am See erneut für Schlagzeilen. Es ging um eine Wiese neben dem Hallenbad. Werner erklärte damals: "Ich habe mir in Neusiedl am See eine potenzielle Veranstaltungs-Location angeschaut. Das ist etwas, was Kulturschaffende immer wieder tun. Man hat ja ständig Ideen für neue Projekte, es ist aber noch nichts Konkretes geplant. Das ist alles Zukunftsmusik."

Die Gespräche, die die Opernfestspiele und die Esterhazy Betriebe seit den Unstimmigkeiten im April führten, mündeten Mitte Juni schließlich in einen Kompromiss: Bezüglich des Stückes habe man sich"geeinigt, dass es die 'Tosca' sein wird", so eine OFS-Sprecherin. Es würden noch weitere Gespräche geführt. Werner gehe davon aus, "dass die Gespräche mit Esterhazy bis Anfang Juli abgeschlossen sind", hieß es. (APA, 30.6.2014)

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