Krankenpfleger sollen Hausärzte entlasten

30. Juni 2014, 13:59
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Reform beschlossen: Durch mehr Kooperation zwischen Ärzten sollen Praxen länger offen bleiben 

Ab 2015 sollen Patienten in manchen Regionen Österreichs damit rechnen können, dass ihr Hausarzt oder ihre Hausärztin länger geöffnet hat. Das ist ein Ergebnis einer Gesundheitsreform, die am Montag beschlossen wird.

Praktische Ärzte sollen mit Kollegen, aber auch mit Krankenschwestern und -pflegern enger zusammenarbeiten, heißt es im Gesundheitsministerium. Dadurch sollen längere Öffnungszeiten, etwa von 7 bis 19 Uhr, möglich sein. In der Stadt solle dies durch mehr Ärztezentren und Gruppenpraxen erfolgen, auf dem Land durch "engere Vernetzung" zwischen einzelnen Ordinationen, sagt Christoph Ertl, Sprecher im Gesundheitsministerium, auf derStandard.at-Anfrage.

Kollege übernimmt Patienten

Wie man künftig viele Ärzte dazu motivieren will, sich mit Kollegen zusammenzuschließen, kann das Ministerium nicht beantworten. Der Sprecher glaubt jedoch, dass das für Mediziner eine Entlastung bedeuten könnte: "Wenn ein Kollege am Nachmittag meine Patienten übernimmt, dann habe ich Freizeit und weiß, dass ich in dieser Zeit auch zu keinem Notfall geholt werde."

Entlastet werden sollen die Ärzte auch dadurch, dass Krankenpfleger in ihrer Praxis oder in der Nähe ihrer Ordination Leistungen übernehmen, die bisher vom Arzt selbst geleistet worden sind - etwa Blutabnahmen oder Verbandswechsel. Ob Pfleger künftig auch Spritzen geben dürfen, will man im Ministerium nicht beantworten. "Da sind noch Gespräche im Gange", sagt Ertl.

Was sich noch für die Patienten ändern soll: Künftig werde der Hausarzt oder die Hausärztin für den gesamten Behandlungsweg verantwortlich sein. Konkret heißt das: Braucht ein Patient eine fachärztliche Untersuchung, dann wird der Termin beim Spezialisten gleich in der Hausarztpraxis vereinbart, ebenso ein Folgetermin beim Allgemeinmediziner zur Nachbesprechung. So solle verhindert werden, "dass uns die Patienten an den Nahtstellen verlorengehen", so der Ministeriumssprecher. Derzeit sei dies oft der Fall.

Einsparung erhofft

Ministerium und Sozialversicherungen erhoffen sich durch die engere Verzahnung in der ambulanten Versorgung eine Entlastung der Spitäler - und dadurch Einsparungen. Wie stark die ambulanten Ärzte wirklich kooperieren werden, ist jedoch alles andere als absehbar. Ausverhandelt wurde bislang nämlich nicht, welche Anreize die Mediziner bekommen sollen, um künftig enger zu kooperieren.

Wie jene Ärzte, die in ihrer Praxis nichtärztliches Personal wie Pfleger oder Physiotherapeuten anstellen, künftig von der Kassa honoriert werden sollen, ist ebenfalls noch nicht fix. Ende 2014 werde man diesbezüglich mehr wissen, sagt Ertl - schon ab 1. Jänner 2015 soll die Reform in Teilen Österreichs greifen.

Geplant ist, dass spätestens im Jahr 2016 ein Prozent der Bevölkerung in Primärversorgungs-Einrichtungen, also gemeinsamen Praxen von Ärzten und nichtärztlichem Personal, unterkommen kann. Rechnet man die ländliche Bevölkerung weg, wird wohl nur ein kleiner Teil der Bevölkerung in Kontakt mit solchen Zentren kommen: Gemessen an der Zahl der Österreicher und Österreicherinnen, die in Städten mit mehr als 20.000 Einwohnern leben, wären es gerade einmal 32.000 Patienten.  (Maria Sterkl, derStandard.at, 30.6.2014)

Hintergrund

Die Zielsteuerungskommission hat am Montag ein Grundsatzkonzept zur Reform der Primärversorgung, also der Versorgung durch Allgemeinmediziner, beschlossen. Im Herbst soll es dazu einen Gesetzesentwurf geben, ab 2015 sollen erste Primärversorgungszentren eingerichtet werden. In diesen Zentren sollen mehrere praktische Ärzte kooperieren und sich nichtärztliches Personal wie Krankenpfleger oder Ergotherapeuten "teilen". Patienten sollen sich dadurch unnötige Wege ersparen und auch zu Randzeiten allgemeinmedizinisch versorgt sein.

  • Krankenpfleger sollen künftig öfters eingesetzt werden, wenn die Leistung nicht unbedingt von einem Arzt erbracht werden muss - etwa beim Blutdruckmessen oder Blutabnehmen.
    foto: ap/kienzle

    Krankenpfleger sollen künftig öfters eingesetzt werden, wenn die Leistung nicht unbedingt von einem Arzt erbracht werden muss - etwa beim Blutdruckmessen oder Blutabnehmen.

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