Inflation in Eurozone stabil bei 0,5 Prozent

30. Juni 2014, 11:03
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Stärkste Teuerung durch Dienstleistungen, kaum Anstieg bei Energie

Brüssel/Luxemburg - Die Preise in der Euro-Zone steigen kaum noch und dürften der EZB weiter Sorgen bereiten. Die Inflationsrate in den 18 Staaten der Währungsunion lag im Juni unverändert bei 0,5 Prozent, wie das europäische Statistikamt Eurostat am Montag mitteilte. Von Reuters befragte Experten hatten mit diesem Wert gerechnet. Das Inflationsziel der Europäischen Zentralbank (EZB), die am Donnerstag zu ihrer Zinssitzung zusammenkommt, liegt bei knapp zwei Prozent. Die EZB hatte Anfang Juni ihren Leitzins fast bis auf null Prozent gesenkt und erstmals einen Strafzins für Banken eingeführt, die Geld lieber bei ihr parken als es per Kredit an Firmen weiterzugeben.

Ein Hauptgrund für die geringe Inflation ist, dass sich Energie nur noch minimal (plus 0,1 Prozent) zum Vorjahresmonat verteuerte. Lebensmittel, Alkohol und Tabak verbilligten sich sogar um 0,2 Prozent. Gegen den Trend verteuerten sich Dienstleistungen um 1,3 Prozent. Die Kernrate der Inflation - also ohne Energie, Nahrungsmittel, Alkohol und Tabak - stieg auf 0,8 Prozent. "Daraus ergibt sich aber kein zusätzlicher Druck auf die Notenbank, die Geldpolitik kurzfristig noch stärker zu lockern", sagte BayernLB-Experte Johannes Mayr.

Weniger Kredite in der Euro-Zone

Bankkredite flossen in der Euro-Zone vor den jüngsten weitreichenden Beschlüssen der EZB noch spärlicher als zuletzt. Insgesamt vergaben die Geldhäuser im Mai 2,0 Prozent weniger Darlehen als im Vorjahresmonat. Experten hatten nur mit einem Rückgang um 1,6 Prozent gerechnet. Im April hatte das Minus bei 1,8 Prozent gelegen. Betrachtet man die Kreditdaten der EZB im Detail, fällt ein Einbruch bei einer der wichtigsten Komponenten auf: Hypothekenkredite für Häuslebauer fielen im Mai um 0,3 Prozent, nachdem es im Vormonat noch ein Wachstum von 0,7 Prozent gab. Kredite an Unternehmen dagegen gingen mit minus 2,6 Prozent nicht mehr ganz so stark zurück wie im April (minus 2,8 Prozent).

In Deutschland kommen Firmen dem Ifo-Institut zufolge sehr leicht an Bankkredite. Das Barometer für die Kredithürde in der gewerblichen Wirtschaft stieg zwar im Juni leicht auf 18,3 Prozent von einem Rekordtief im Mai. Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn betonte aber: "Die Finanzierungsbedingungen für die deutsche Wirtschaft waren bereits vor der Leitzinssenkung der EZB hervorragend und sind es weiterhin."

Die EZB entscheidet am Donnerstag wieder über ihren geldpolitischen Kurs. Beobachter rechnen nach den jüngsten Beschlüssen nicht mit weiteren Entscheidungen. (Reuters, 30.6.2014)

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