Ermittlung wegen Mordes und Vergewaltigung unter Jugendlichen in Graz

30. Juni 2014, 11:00
36 Postings

Nach Informationssperre: Offizielle Mitteilung zu Vergewaltigung von 14-Jähriger und Tötung von 16-Jährigem - Leiche noch nicht gefunden

Graz/Budapest - Der Leiter der Grazer Staatsanwaltschaft, Thomas Mühlbacher, hat am Montag Ermittlungen wegen Vergewaltigung und Mordes im Fall einer eskalierten Feier unter Jugendlichen vor acht Tagen in Graz-Geidorf bestätigt. Bisher herrschte seitens der Behörden aus kriminaltaktischen Gründen Informationssperre bezüglich der Taten. "Der Fall ist heikel, weil alles Jugendliche sind", so Mühlbacher.

Wie Mühlbacher gegenüber der APA sagte, sei die Leiche eines 16-Jährigen, die angeblich in Ungarn nahe der Ortschaft Rabafüzes vergraben wurde, noch nicht gefunden worden. Das 14-jährige Vergewaltigungsopfer hatte sich in ärztliche Behandlung begeben und dort die Vorfälle geschildert. "Das hat sehr abenteuerlich geklungen", sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft, Hansjörg Bacher.

Mutmaßlicher Täter noch nicht einvernommen

Der ebenfalls 16-jährige mutmaßliche Täter - er soll nach der Vergewaltigung, zu der man ihn gezwungen habe, zur Waffe gegen den Anstifter gegriffen haben - wurde unter Morderverdacht festgenommen. Er sei aber noch nicht einvernommen worden, so Bacher. Sein Großvater wurde wegen Verdachts der Beweisunterdrückung und Störung der Totenruhe festgenommen, weil er geholfen haben soll, die Leiche verschwinden zu lassen. Der Mann war bei der Suche nach dem Körper in Ungarn anwesend.

Eine erste Hausdurchsuchung in dem Haus in Graz-Geidorf, in dessen Keller die Verbrechen passiert sein sollen, habe den Verdacht zunächst nicht erhärtet. Erst später sei man auf Spuren gestoßen, die auf einen gereinigten Tatort hinwiesen, so Bacher.

Vieles "in der Schwebe"

"Über den Tathergang können wir keine Details mitteilten", so Bacher unter Hinweis darauf, dass eine Einvernahme der traumatisierten Zeugin noch nicht erfolgt ist und auch Aufschlüsse gerichtsmedizinischer Art - infolge der bisher nicht gefundenen Leiche - fehlten. Dass der Schütze von seinem Bekannten zur Vergewaltigung gezwungen worden sei und er dann aus Rache zur Waffe gegriffen habe, sei "eine Version". Vieles sei noch "in Schwebe".

Die Jugendlichen sollen im Verlauf einer Party unter Drogeneinfluss gehandelt haben. Inwiefern andere Personen in den Fall beziehungsweise in dessen Vertuschung involviert sind, sei noch Gegenstand der Ermittlungen, so Mühlbacher.

Ermittlungstaktische Gründe

Am Montag will die Staatsanwaltschaft weitere Informationen herausgeben. Hinsichtlich des bisherigen Schweigens der Grazer Justizbehörden verwies eine Sprecherin des Justizministeriumsin auf Paragraf 12 der Strafprozessordnung (StPO). Der Paragraf ist mit "Mündlichkeit und Öffentlichkeit" übertitelt. Konkret heißt es: "(1) Gerichtliche Verhandlungen im Haupt- und Rechtsmittelverfahren werden mündlich und öffentlich durchgeführt. Das Ermittlungsverfahren ist nicht öffentlich."

Das bedeutet, dass Justizbehörden, wenn es für sie geboten erscheint, ausgesprochen restriktiv mit Informationen während eines laufenden Ermittlungsverfahrens umgehen können. In der Regel sprechen laut einer Sprecherin  ermittlungstaktische Gründe gegen die Weitergabe von Informationen zu einem laufenden Fall. Auch im Fall der Grazer Bluttat wurden kriminaltaktische Überlegungen für das bisherige Schweigen geltend gemacht. (APA/red, derStandard.at, 30.6.2014)

Share if you care.