Grazer Forscher betreibt Bremsenquietsch-Grundlagenforschung

30. Juni 2014, 10:27
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TU-Absolvent entwickelte System zur Vorhersage der Bremsakustik bei Kraftwagen

Graz - Das Problem quietschender Bremsen ist so alt wie das Auto selbst. Und obwohl das akustische Verhalten von Fahrzeugbremsen durch intensive Forschung im Lauf der Jahre deutlich verbessert wurde, neigen Bremsen weiterhin zum Quietschen. Mit dieser Problematik hat sich der Forscher Daniel Wallner am Institut für Fahrzeugtechnik der TU Graz befasst. Seine Dissertation wurde von der wissenschaftlichen Gesellschaft für Kraftfahrzeug- und Motorentechnik (WKM) in Aachen mit der Kamm-Jante Medaille ausgezeichnet.

Eine im Jahr 1930 durchgeführte Umfrage in New York City zum Stadtlärm ergab, dass Bremsenquietschen eines der Top-Zehn-Lärmprobleme war. Seit damals ist das akustische Verhalten der Bremsen zwar deutlich verbessert worden; Aus der Welt geschafft ist das Problem jedoch nicht.

Einmal quietschen, immer quietschen

Doch warum quietschen Bremsen? "Das unangenehme Geräusch der Bremsen ist Resultat einer reibungserregten Schwingung", sagt Daniel Wallner. "Heute haben wir das Problem, dass Fahrzeuge immer leistungsfähiger und schwerer werden und die Bremsen dadurch stärker belastet sind." Gleichzeitig müssten Bremssysteme mit wenig und vor allem gleichbleibendem Platz im Auto auskommen.

Um das unliebsame Quietschen zu verhindern, gibt es von der Untersuchung der Instabilitätsmechanismen über die Überprüfung des dynamischen Verhaltens der Bremse bis zu Testfahrten und Komponententests auf Prüfständen unterschiedliche Untersuchungsansätze. "Das Problem ist: Wenn eine Bremse einmal quietscht, dann quietscht sie. Das kann man zwar abschwächen, aber nicht mehr abstellen“, so Wallner.

Bremsakustik vorhersagen

Der Forscher hat daher untersucht, wie man durch Simulationen das akustische Verhalten eines Bremssystems vorhersagen und beeinflussen kann. Der erste Schritt ist, die genauen Ursachen der Bremsgeräusche zu verstehen. Um die Reibungskraft so nah wie möglich am Bremsbelag zu messen, hat Wallner ein komplexes Messsystem und einen innovativen Sensor entwickelt. "Mit diesem System ist umfassende Grundlagenforschung an quietschenden Bremsen möglich", so der Absolvent der TU Graz. "Wir können einzelne Bremsungen detailliert untersuchen und bekannte Maßnahmen gegen Bremsenquietschen auf ihre Wirkung hin überprüfen“.

Seine Dissertation gibt einen Vorschlag für einen industriell nutzbaren Bremsakustiknachweis und liefert damit einen wichtigen Beitrag für die Entwicklung von leisen Bremssystemen. Wallner widmet sich mittlerweile der Bremsenentwicklung bei einem namhaften Automobilhersteller. (red, derStandard.at, 30.6.2014)

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