Facebook verteidigt umstrittenes Nutzer-Experiment

30. Juni 2014, 10:21
142 Postings

Einer der Autoren der Facebook-Studie erklärt die Motivation und entschuldigt sich

Am Wochenende wurde bekannt, dass Facebook im Rahmen einer Studie ein riesiges Experiment mit seinen Mitgliedern durchgeführt hat. Mehr als 690.000 Nutzern wurden eine Woche lang jeweils vermehrt positive bzw. negative Meldungen angezeigt, um herauszufinden, ob sich Emotionen und Stimmungen übertragen lassen. Von Wissenschaftlern und Datenschützern wird das Vorgehen des Unternehmens stark kritisiert. Nun hat einer der drei Studienautoren, Adam D. I. Kramer, zu dem umstrittenen Experiment Stellung bezogen.

Ausgangspunkt für die Studie

Hintergrund für die Studie sei gewesen, dass man sich über den Einfluss von Facebook auf seine User Gedanken mache, so Kramer. Man habe herausfinden wollen, ob die allgemeine Annahme stimmt, dass sich Personen schlecht oder ausgeschlossen fühlen, wenn sie die positiven Postings ihrer Freunde sehen. Zudem habe man befürchtet, dass viele negative Postings dazu führen könnten, dass Nutzer anfangen, Facebook zu meiden. In der Studie sei diese Motivation nicht ausreichend dargelegt worden, so Kramer.

Postings nicht versteckt

Die betroffenen Postings seien nicht komplett versteckt worden, sondern mit einer anderen Priorität im Newsfeed der Nutzer angezeigt worden. Der Feed kann prinzipiell nach den sogenannten Topstorys und den aktuellsten Updates sortiert werden. Wobei Facebook dazu tendiert, immer wieder automatisch zu den nach Relevanz gefilterten Topstorys zu schalten.

Kritik an Methode

Die Ergebnisse der Studie hätten genau das Gegenteil der Annahme, dass positive Postings Nutzer negativ beeinflussen würden, gezeigt. Stattdessen sei man zu der Erkenntnis gelangt, dass Emotionen "ansteckend" seien. Sowohl an der Methode als auch an der Durchführung selbst gibt es heftige Kritik. Für die Untersuchung wurde eine Wortanalyse-Software eingesetzt. Wissenschaftler bezweifeln, ob man anhand einzelner Worte darauf schließen könne, ob es sich um ein positives oder ein negatives Posting handle.

Kramer entschuldigt sich

"Das Ziel unserer Forschung bei Facebook ist es, herauszufinden, wie man den Service verbessern kann", so Kramer. Man habe niemanden damit verärgern wollen. Er und seine Co-Autoren entschuldigen sich dafür, wie die Studie kommuniziert wurde. Rückblickend hätten die Studienergebnisse das Unbehagen darüber wohl nicht gerechtfertigt. Die Studie wurde 2012 durchgeführt, inzwischen hätten sich die internen Review-Prozesse für Forschung auch geändert.

Forschung bei Facebook

Gartner-Analyst Brian Blau ist der Meinung, dass Facebook seine Nutzer darüber hätte informieren müssen. Das Vorgehen des Unternehmens sei nicht illegal, aber unethisch, sagte er in einem Interview mit der "New York Times". In den Datenverwendungsrichtlinien weist Facebook darauf hin, dass man die Nutzerdaten "für interne Prozesse, u. a. Fehlerbehebung, Datenanalyse, Tests, Forschung und Leistungsverbesserung" verwende. Ob viele Nutzer das gelesen haben, zumal die gesamten Nutzungsbestimmungen sehr umfänglich sind, darf bezweifelt werden. (br, derStandard.at, 30.6.2014)

  • Facebook will wissen, wie seine Nutzer ticken.
    foto: standard/riegler

    Facebook will wissen, wie seine Nutzer ticken.

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