Zaghafte Erholung am italienischen Markt

30. Juni 2014, 08:47
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Auf der Messe EIRE in Mailand punkteten vor allem Luxus- und Tourismusprojekte

"Besser als im Vorjahr, doch noch keine echte Erholung." Die Stimmung auf Italiens größter Immobilienmesse, der EIRE (Expo Italia Real Estate), die in dieser Woche in Mailand stattfand, war vorsichtig optimistisch. Einige Branchenbeobachter rechnen mit einer Nachfragebelebung bereits in diesem Jahr, andere erst später. Noch trifft das höhere Angebot an Immobilienkrediten auf verhaltenes Interesse.

Der Präsident des Fachverbandes Assoimmobiliare, Aldo Mazzocco, bestätigte eine anhaltend hohe Nachfrage im Luxussegment. Auch sei erstmals wieder reges Interesse für Drei-Zimmer-Wohnungen mit einer Fläche bis 100 m² bekundet worden. Hingegen tritt die Nachfrage bei Büro- und Geschäftsimmobilien auf der Stelle. In diesem Segment werden weitere Preissenkungen erwartet.

Modernisierung von Bestand

Die Messe stand im Zeichen der Modernisierung von öffentlichen und privaten Bestandsimmobilien. Projekte wie etwa der Verkauf eines Hotels und angrenzender Geschäftslokale in den Dolomiten (Madonna di Campiglio) um 3,8 Millionen Euro oder der Ausbau der "Waterfront" an der kalabrischen Küste bei Lamezia Terme um zwei Millionen Quadratmeter sowie der Umbau des einstigen Ferrero-Stahlwerks im norditalienischen Settimo Torinese nahe Turin in ein Wohn- und Dienstleistungsquartier zählten zu den Attraktionen auf der Messe.

Insgesamt waren 400 Aussteller und Dienstleistungsbetriebe präsent. An ausländischen Ausstellern war erstmals Südafrika mit einem eigenen Stand vertreten. Osteuropa (Slowenien, Polen) und Ägypten zeigten primär Fremdenverkehrsprojekte, die US-Aussteller hauptsächlich Gewerbeimmobilien. Erstmals meldeten die Veranstalter bei einer gegenüber dem Vorjahr stagnierenden Ausstellerzahl wieder mehr Besucher aus dem Ausland, insbesondere Investoren aus den USA.

Trendwende

Bislang haben die ausländischen Investoren ihr Interesse primär auf bereits fertiggestellte Immobilienprojekte fokussiert, nun scheinen sie sich auch für geplante, aber noch nicht umgesetzte Projekte zu interessieren, erklärte Verbandspräsident Mazzocca eine gewisse Trendwende in der Nachfrage.

Der nahezu 20-jährige Nachfrage- und Preisboom am italienischen Immobilienmarkt ging 2010 zu Ende. Der seither anhaltende Preisverfall, insbesondere beim Wohnbau, ist laut Mazzocco 2014 aber zum Stillstand gekommen. Ab 2015 wird wieder eine Aufwärtsbewegung erwartet. Allerdings habe sich der Markt seit den Krisenjahren komplett verändert. Der Investor sei nicht mehr auf Schnäppchen aus, sondern suche solide Anlagen. "Der Markt ist mehr an mittelfristigen soliden Renditen als an kurzfristigen Supergewinnen interessiert."

Bisher kein großer Immobilien-Crash in Italien

Vor allem seien die Kunden bei der Finanzierungsfrage selektiver geworden. Die Banken, die infolge ihrer hohen Ausstände im Immobiliensektor und eines Rekords an notleidenden Krediten (Mai 2014: 166 Mrd. Euro) in den letzten drei Jahren mit ihrer Kreditvergabe für Wohnimmobilien geizten, zeigen sich wieder flexibler. Allerdings fordern italienische Banken bei der Wohnbaufinanzierung nach wie vor, dass der Kunde bis zu 50 Prozent des geforderten Kapitals selbst finanziere.

Im Gegensatz zu Spanien und Irland hat Italien bisher keinen großen Immobilien-Crash erlebt, doch die Gefahr ist noch nicht endgültig vorüber. Die Beratungsfirma AlixPartners schätzt, dass den Banken in den letzten Jahren durch Immobilienfinanzierungen Verluste bis zu 100 Mrd. Euro entstanden sind.

Preise in Rom stabil

Bei den Immobilienpreisen gibt es ein Nord-Süd-Gefälle. An den oberitalienischen Seen (Gardasee, Lago Maggiore) zahlen Investoren Preise auf Schweizer Niveau, in Südtirol ist fast deutsches Niveau erreicht. Ebenfalls begehrt und teuer sind Immobilien an der italienischen Riviera. In der Toskana, der beliebtesten italienischen Ferienregion, treiben viele Käufer die Preise in die Höhe.

Günstiger ist nach wie vor etwa die Region um das Piemont oder auch die Marken. Schnäppchenpreise gibt es etwa in der umbrischen Hauptstadt Perugia, wo 80-m²-Wohnungen zwischen 80.000 und 100.000 Euro kosten. In großen Städten wie Rom und Mailand sind die Immobilienpreise relativ stabil geblieben. (Thesy Kness-Bastaroli aus Mailand, DER STANDARD, 28.6.2014)

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