Blaue Daumen für Europa

Einserkastl29. Juni 2014, 19:01
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Der aufrechte Europäer hofft: Frankreich soll Weltmeister werden

Nun hofft der aufrechte Europäer, dass Frankreich Weltmeister wird - nicht bloß, weil es Prachtfußball spielt und seine Aufstellung so schön vor Augen führt, wie wir uns der Welt öffnen müssen, um Erfolg zu haben. Sondern aus eigennützigen, opportunistischen, ergo patriotischen Überlegungen.

Montag, 18 Uhr, werden die Euro-Daumen blau gedrückt, damit "les Bleus" Nigeria schlagen - selbst wenn die letzten Schwarzafrikaner so nach Hause fahren. Okay, das kommt ein Alzerl eurozentristisch rüber, aber irgendwann müssen wir auch an uns selber denken.

Europa steckt in einer tiefen Krise, ganz wesentlich auch wegen der Malaise in Frankreich und der elementaren Unsicherheit, die dieses Kernland der Union erfasst hat. Ein WM-Titel würde derlei Selbstzweifel zwar nicht hinwegfegen, aber doch auf eine Art konterkarieren, die die Mutlosigkeit der Politik, die Verführungskraft von Rattenfängern und das mitleiderregende Nabelgekraule von Hollande & Co auf jene hinteren Plätze verwiese, wo sie hingehören. Und Frankreich zurück auf einen Weg schießen, wo die Bürger wieder Vertrauen in die eigene Größe fassen.

Wobei: Mit letzterem Argument könnte man sogar für einen Weltmeister Deutschland plädieren. Die Erfahrung zeigt freilich, dass Gleichgewicht der Schlüssel zum europäischen Fortkommen ist. In diesem Sinne: Frankreich soll Champagner trinken, wir zahlen gerne dafür! (corti, DER STANDARD, 30.6.2014)

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