Lässig im Umgang mit Spielsucht

29. Juni 2014, 18:12
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Der Beirat in Glücksspielfragen ist selbst das Problem, nicht seine Umgehung

Lust, Laster, Zaster: So in etwa lautete wohl das Motto jener Marktanalyse, die das Institut KFP kürzlich angestellt hat. Demnach beträgt der volkswirtschaftliche Gewinn, den der Staat aus dem Verkauf von Zigaretten, Alkohol und den Glücksspielabgaben zieht, jährlich 1,5 Milliarden Euro netto. Die volkswirtschaftlichen Kosten der damit zusammenhängenden Suchtkrankheiten sind da bereits abgezogen.

Durch die aktuelle Vergabe der drei Kasinolizenzen für Wien und Niederösterreich wird sich diese Bilanz wohl noch verbessern. Allein für das Palais Schwarzenberg rechnet der deutsche Betreiber mit Bruttospielerträgen von 378 Millionen Euro in 14 Jahren. Auch der bei Bruck an der Leitha geplante Novomatic-Spieltempel verheißt sprudelnde Einnahmen. Dass dabei auch ein schöner Batzen für die Bundesländer Wien und Niederösterreich abfallen wird, erklärt die diesbezügliche Engagiertheit der Herren Landeshauptleute im Vorfeld der Entscheidung - und den Aufschrei der als Bieter unterlegenen Casinos Austria, die politische Einflussnahme wittert.

Gut möglich, dass sie damit recht hat: Wer österreichische Innenpolitik auch nur ein bisschen verfolgt, kann das diesbezügliche Dementi des Beiratsmitglieds Wolfgang Nolz nicht hundertprozentig glauben: Der pensionierte Sektionschef im Finanzministerium war jahrzehntelang bekannt für sein delikates Austarieren unterschiedlicher (partei-)politischer Wünsche. Dass sich die Politik über eine Beiratsempfehlung hinwegsetzt, ist auch nichts Besonderes: So hat die Regierung bis dato keine einzige Empfehlung der mittlerweile sanft entschlafenen Bioethikkommission aufgegriffen.

Das Thema bei den Kasinolizenzen ist ein anderes: Was gedenken die neuen Lizenzen-Besitzer zum Thema Spielsuchtbekämpfung beizutragen? Wo sind die Konzepte, um das eigentliche Problem der illegalen Hinterzimmer-Automaten in den Griff zu bekommen? Was wurde aus dem nie installierten ressortunabhängigen "Glücksspiel-Beirat" mit Suchtexperten, namhaften Juristen, gar Fachleuten aus dem Ausland, der kommen sollte, als der EuGH das Glücksspielmonopol kippte? Wie wurden jene zig Millionen Euro aus der Glücksspielabgabe eingesetzt, die per Gesetz für Präventions- und Therapiemaßnahmen vorgesehen sind? Hat irgendwer in diesem Land eine Idee, wie man die Zockerei im Internet in den Griff bekommen kann - ein völlig unerforschtes Feld finanzieller und psychischer Verheerungen, obwohl dafür öffentliche Gelder im Finanzministerium bereitlägen.

Transparenz ist auch hier das Thema: Aus welchem Grund wird monatelang der Geheimnisschleier über die Lizenzvergabe geworfen? Warum zierte sich das Finanzministerium, die Namen und Qualifikationen der Mitglieder des von Nolz geführten ressortinternen Beirats zu nennen? Vielleicht aus Angst vor Interventionen? Schwingt da bereits Misstrauen gegenüber Leuten mit, die man eigentlich eingesetzt hat, um ihrem Rat zu vertrauen?

In Österreich leben 60.000 Spielsüchtige. Das ist im Vergleich zu Alkoholsucht ein Klacks: 340.000 Österreicher gelten laut WHO als alkoholkrank, 735.000 Personen als gefährdet. Dennoch: Laut einer aktuellen Untersuchung bringt ein Spielsüchtiger im Durchschnitt sieben weitere Personen in seinem Umfeld in Bedrängnis - so gesehen ist das Problem erheblich größer. Es ist Aufgabe des Staates, es nicht noch weiter zu vergrößern. (Petra Stuiber, DER STANDARD, 30.6.2014)

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