Eine Überdosis Balletthäppchen

29. Juni 2014, 17:13
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Die jährliche Nurejew-Gala des Wiener Staatsballetts geriet zum Durchhaltemarathon

Wien - Tanzen bis zum Umfallen hieß es beim traditionellen Abschluss der Ballettsaison in der Staatsoper, allerdings eher für das Publikum. Vier Stunden lang mit Ausschnitten aus vierzehn Werken sind zu viel, auch wenn Ballettdirektor Manuel Legris es nur gut meint. Denn er will natürlich möglichst viele seiner formidablen Tänzer ordentlich präsentieren, und da kommt schon einiges zusammen. Die zahlreichen Balletthäppchen sollen auch als Appetitanreger für den weiteren Gusto dienen, aber zu viele Horsd'oeuvres verderben den Magen.

Das Motto Nurejew ist da allzu dankbar, und irgendein Zusammenhang mit dem großen Meister findet sich rasch. Den Auftakt machte heuer Marius Petipas glanzvolle Demonstration der Danse d'école, Raymonda in der Nurejew-Fassung. Sehr viel Glitzer und Gruppentanz. Bei aller Brillanz der Solisten Liudmila Konovalova und Robert Gabdullin ist es aber doch ein langweiliger Hadern, der nicht wirklich im Repertoire fehlt.

Sehr gut getanzt dann ein Pas de deux aus August Bournonvilles Blumenfest in Genzano mit Ioanna Avraam und Dumitru Taran, das als Studie für die von Bournonville begründete dänische Schule herhalten kann. Diese besteht aus viel Beinarbeit und exzellenter Sprungtechnik. Ioanna Avraam wurde besonders bedankt, denn nach der Vorstellung ernannte Legris die bisherige Halbsolistin zur Solotänzerin. Das erste Highlight des Abends war die wirklich schöne Choreografie Le souffle de l'esprit von Jiri Bubenicek, hervorragend getanzt von Roman Lazik, Masayu Kimoto und Eno Peci.

Ein dynamischer Tänzer ist Denys Cherevychko, der durch Hans van Manens 5 Tangos zur Musik von Astor Piazzolla wirbelte. Enttäuschend die Darbietung von Mihail Sosnovschi, ansonsten ebenfalls ein Energiebündel, in Michail Fokines Ballets-Russes-Klassiker Le Spectre de la rose, selbstverständlich von Nurejew bearbeitet. Der erotische Traum des jungen Mädchens (Eszter Ledán), das schlafend den Rosengeist herbeiwünscht, ist ein wenig blutleer. Gern stellt man sich da den Tänzer der Uraufführung 1912, Vaslaw Nijinsky, vor.

Zu den Highlights der Gala zählt immer der Auftritt des Direktors persönlich. Legris wählte diesmal Die Fledermaus in der Choreografie von Roland Petit und Ketevan Papava als Partnerin für den Walzerspaß. Mit dieser erfreulich charmanten Darbietung hätte die Gala besser geendet, doch es kam noch La Bayadére.

Überhaupt wäre es überlegenswert, nicht nur die Zahl der Werke, sondern auch die einzelnen Ausschnitte für eine Gala zu kürzen. Klarerweise ist so ein bunter Abend eine Leistungsschau, wie man am häufigen Zwischenapplaus für rasante Pirouetten und Sprünge bemerken kann. Aber auch hier wäre weniger mehr. (Barbara Freitag, DER STANDARD, 30.6.2014)

  • Kirill Kourlaev, erster Solotänzer am Staatsopernballett in "Labyrinth of Solitude"
    foto: apa/wiener staatsballett/ michael pöhn

    Kirill Kourlaev, erster Solotänzer am Staatsopernballett in "Labyrinth of Solitude"

  • Eine weitere Szene bei der Nurejew-Gala in der Wiener Staatsoper.
    foto: apa/wiener staatsballett/ michael pöhn

    Eine weitere Szene bei der Nurejew-Gala in der Wiener Staatsoper.

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