Madjer und die Erinnerung an Deutschland

29. Juni 2014, 12:23
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Algeriens Fußball-Idol Rabah Madjer war federführend an zwei unvergesslichen Erfolgen über deutsche Teams beteiligt - Gegen die DFB-Elf weisen die "Wüstenfüchse" gar eine makellose Bilanz auf

Curitiba - "Ich kann nicht in Worte fassen, wie groß meine Freude ist", sagte Rabah Madjer nach dem Achtelfinal-Einzug Algeriens bei der WM in Brasilien. "Es war eine historische Nacht für mein Volk. Und jetzt kommt auch noch die große Revanche gegen Deutschland."

32 Jahre lang hat Algeriens Fußball-Legende auf dieses Spiel gewartet, jenes Wiedersehen mit der DFB-Elf in Porto Alegre am Montag (22.00 Uhr MESZ). Und auch wenn der mittlerweile 56-Jährige den Auftritt seiner Erben von der anderen Seite des großen Wassers verfolgt, so wird er doch präsent sein. Irgendwie.

Makellose Bilanz

Madjer war Teil jener großen algerischen Generation, die am 16. Juni 1982 im WM-Vorrundenspiel in Gijon Deutschland mit 2:1 bezwang, er selbst erzielte das 1:0. Es war das zweite und bislang letzte Duell beider Länder, auch das erste hatte am Neujahrstag 1964 in Algier mit einer Blamage (0:2) für die Deutschen geendet. Eine makellose Bilanz gegen Deutschland - welches Team kann das noch von sich behaupten?

"Sie haben uns einfach nicht ernst genommen", sagte Madjer nach der 82er Sensation. Neun Tage später einigten sich Deutschland und Österreich an gleicher Stelle auf ein opportunistisches 1:0. Die Europäer stiegen auf, die Algerier schieden aus. Man kennt die Geschichte.

Auch mehr als drei Jahrzehnte später ist sie bei den Übervorteilten noch präsent. "Wir haben 1982 nicht vergessen, nicht Gijon, nicht Deutschland", sagte der algerische Tamchef  Vahid Halilhodzic nach dem 1:1 gegen Russland, das den Achtelfinal-Einzug seiner Mannschaft sicherstellte: "Es ist lange her, aber jeder Algerier weiß noch, was damals passiert ist."

Und deshalb treten die Helden von heute nicht nur für ihr Heimatland, sondern auch für die Helden von gestern an - auch wenn kein algerischer Spieler zu den Tagen von Gijon schon auf der Welt war.

"Wir wissen, wie 1982 der Sieg gegen Deutschland zustande kam - mit Leuten wie Madjer, Salah Assad oder Lakhdar Belloumi. Wir wollen in die Fußstapfen dieser Spieler treten", sagte Stürmer Islam Slimani, Jahrgang 1989 und Schütze des entscheidenden 1:1 gegen Russland: "Wenn dies damals möglich war, warum sollten wir nicht davon träumen, es ein weiteres Mal gegen Deutschland zu schaffen?"

Ups, he did it again!

Vorbild Madjer weiß, wie man deutsche Mannschaften knackt: 1987 tat er es erneut - mit einem legendären Fersler-Goal für Porto im Meistercup-Finale gegen Bayern München (2:1) in Wien. Ein Geniestreich. Er weiß aber auch um die Stärke des Favoriten: "Die Deutschen haben ein tolles Team, deshalb müssen wir absolut vorbereitet und wachsam sein. Und vor allem 90 Minuten mit großem Herzen und Willen spielen."

Für Madjer, der zwischen Algier und Doha pendelt, wo er heute als Berater arbeitet, ist der Achtelfinal-Einzug in Brasilien ein folgerichtiger Schritt in der Entwicklung des algerischen Fußballs, der sich aus einer tiefen Krise offenbar wieder herausgearbeitet hat: "Mit unserem Potenzial müssen wir die beste Mannschaft Afrikas sein. 70 Prozent der Algerier sind unter 30. Wir leben Fußball, essen, trinken und schlafen ihn."

Löws Bauch

Die Deutschen nehmen ihre Favoritenstellung an. Jedoch: "Wenn jemand glaubt, man hat es im Achtelfinale mit einem vermeintlich leichten Gegner zu tun und kann den Fokus schon ein bisschen auf die nächste Runde richten, begeht er einen schweren Fehler", mahnte Joachim Löw.

Dass in seinen Reihen vielleicht noch nicht alles Gold ist, ficht ihn nicht an: "Die Mannschaft muss im Laufe des Turniers steigerungsfähig sein. Das ist die große Kunst."

Personell muss Löw, dem Lukas Podolski (Zerrung) fehlt, die Frage klären, ob Bastian Schweinsteiger wie gegen die USA (und nach seiner Einwechlung gegen Ghana) in der Mittelfeldzentrale spielt, oder Sami Khedira wieder dorthin zurückkehrt. Löw kündigte eine "Bauchentscheidung" an. (sid/red - 29.6. 2014)

WM-Achtelfinale:

Deutschland - Algerien (Montag, 22.00 Uhr MESZ, Porto Alegre, Stadion Beira Rio, SR Sandro Ricci/BRA)

Mögliche Aufstellungen:

Deutschland: 1 Neuer - 20 Boateng, 5 Hummels, 17 Mertesacker, 4 Höwedes - 7 Schweinsteiger, 16 Lahm, 18 Kroos - 8 Özil, 13 Müller, 19 Götze

Ersatz: 12 Zieler, 22 Weidenfeller - 2 Großkreutz, 3 Ginter, 15 Durm, 21 Mustafi, 6 Khedira, 14 Draxler, 23 Kramer, 9 Schürrle, 11 Klose

Es fehlt: 10 Podolski (Muskelzerrung)

Teamchef: Joachim Löw

Algerien: 23 Mbolhi - 20 Mandi, 4 Belkalem, 5 Halliche, 6 Mesbah - 12 Medjani, 14 Bentaleb - 10 Feghouli, 11 Brahimi, 18 Djabou - 13 Slimani

Ersatz: 1 Si Mohamed, 16 Zemmamouche - 3 Ghoulam, 2 Bougherra, 17 Cadamuro, 22 Mostefa, 7 Yebda, 8 Lacen, 9 Ghilas, 19 Taider, 15 Soudani, 21 Mahrez

Teamchef: Vahid Halilhodzic (BIH)

  • leroy1210

    "Das kann doch nicht war sein! Man muss den Algerien gratulieren. Da hilft kein Wenn und kein Aber." (Algerien - Deutschland 1982)

  • legendarygoals

    Madjer: Ferseln im Happel zu Wien 1987.

  • Rabah Madjer bei einem Benefizkickerl in Dubai 2013 (mit Jan Koller).

    Rabah Madjer bei einem Benefizkickerl in Dubai 2013 (mit Jan Koller).

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