Yves Mersch hält Zinssenkung für Erfolg

29. Juni 2014, 09:13
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Derzeit 0,5 Prozent Inflation im Euroraum - Mersch: Keine erhöhte Deflationsgefahr

Frankfurt am Main - Die vor gut zwei Wochen beschlossene Zinssenkung der Europäischen Zentralbank hat nach Worten von Direktoriumsmitglied Yves Mersch ihr Ziel erreicht. Die meisten Zinsen hätten sich im kurzfristigen Bereich nach unten bewegt, sagte Mersch am Sonntag im Deutschlandfunk. Dies sei genau in der Größenordnung der Leitzinssenkung der Zentralbank geschehen.

"Und in der Hinsicht, glaube ich, dass unsere Maßnahmen den gewünschten Erfolg hatten." Er räumte aber ein, das Instrument der Zinsen sei weniger wirksam, wenn man schon nahe bei Null sei. Deshalb seien auch zusätzliche Schritte unternommen worden.

Erstmals Strafzinsen

Die EZB hatte ihren Leitzins jüngst auf das Rekordtief von 0,15 Prozent gekappt und erstmals Strafzinsen für Banken eingeführt, die Geld lieber bei ihr parken als es an Unternehmen zu verleihen. Zudem hat die Notenbank mehrere Geldspritzen in den nächsten Monaten angekündigt, mit denen sie die Kreditvergabe ankurbeln will.

Aufgrund der geringen Geldentwertung im Zuge der Wirtschaftskrise vor allem in Südeuropa hat die EZB auch eine Deflationsgefahr im Blick, also eine Abwärtsspirale von Preisen und Löhne, die die Wirtschaft schrumpfen lassen könnte. Die Inflation, also Geldentwertung, liegt derzeit im Euroraum bei 0,5 Prozent. Die EZB peilt aber eine Inflationsrate von knapp unter zwei Prozent an.

"Längere Periode niedriger Inflation"

Nach den Prognosen der EZB gebe es derzeit keine gesteigerte Deflationsgefahr in der Hinsicht, dass die Menschen Käufe verschieben würden, weil sie auf weiter sinkende Preise hofften, sagte Mersch. "Was wir sehen, ist eben eine längere Periode von sehr niedriger Inflation." Dann sei das Risiko allerdings für den Fall eines externen Schocks für die Wirtschaft größer. Ein Puffer fehle dann.

Die niedrigen Zinsen führen allerdings auch dazu, dass in Ländern mit hohen Sparguthaben wie Deutschland die Menschen entsprechend geringere Erträge verbuchen können. Zumal in Deutschland die Inflationsrate mit knapp einem Prozent höher als im Durchschnitt des Euroraums liegt. Mersch erklärte, Sparer müssten dann ihr Geld länger anlegen oder höhere Risiken eingehen. "Die Zentralbank steuert die Wirtschaft und ist nicht zuständig für Sparzinsen", sagte er.

KMUs können profitieren

Mersch sprach sich zudem dafür aus, den Markt für Kreditverbriefungen wieder zu beleben. Dabei werden Kredite von Banken gebündelt und können an Investoren weiter verkauft werden, so dass Banken Spielraum für neue Kreditvergaben gewinnen können.

Allerdings hatten massenhafte Verbriefungen und eine intransparente Weitergabe der Pakete vor allem in den USA mit zur Finanzkrise 2008 beigetragen. Bundesbankchef Jens Weidmann hatte sich skeptisch zu diesem Instrument geäußert. Mersch sagte, gerade kleine und mittlere Unternehmen könnten von solchen Paketen profitieren. Diesen Firmen geben Banken sonst zurückhaltend Kredite. (APA, 29.6.2014)

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