Gewerkschafter Ingo Mayr soll Tiroler SPÖ aus der Krise führen 

28. Juni 2014, 16:27
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49-Jähriger auf Parteitag mit 90,7 Prozent zum neuen Parteivorsitzenden gewählt - Faymann forderte einmal mehr Vermögenssteuern und eine baldige Steuerentlastung

Innsbruck - An dem 49-jährigen Ingo Mayr liegt es also jetzt, die Tiroler SPÖ aus der Krise zu führen. Der Bürgermeister von Roppen wurde am Samstag bei einem ordentlichen Parteitag im Innsbrucker Congress von den Delegierten mit 90,7 Prozent zum neuen Vorsitzenden gewählt. Auf den einzigen Kandidaten entfielen 234 der 258 gültigen Stimmen.

Mayr, der mehr oder weniger um seine Rede umfiel, weil die Delegierten es vorzogen, vor dieser zu wählen, bedankte sich nach seiner Wahl bei den Genossen für das "Vertrauensvotum". "Wir brauchen eine starke Sozialdemokratie in diesem Land", betonte er. Die Ergebnisse der Landtagswahlen 2008 und 2013 waren ein "Schock für uns", räumte der 49-Jährige ein. Jetzt gelte es aber, den "Schwung" des Parteitages mitzunehmen.

Vertrauen gewinnen

Er werde versuchen, in den nächsten Wochen und Monaten noch das Vertrauen der restlichen Delegierten zu gewinnen, erklärte Mayr. Es brauche eine starke und geeinte SPÖ in diesem Land. Mit der Reform des Parteistatuts, das vor allem wegen einer angestrebten Frauen-, Jugend- und Gewerkschaftsquote für einigen Diskussionsstoff sorgte, letztlich aber mit der erforderlichen Zwei-Drittel-Mehrheit angenommen wurde, werde das auch gelingen, gab sich der 49-Jährige zuversichtlich.

Bundeskanzler und Parteichef Werner Faymann hatte bei seiner Rede zuvor einmal mehr Vermögenssteuern und eine baldige Steuersenkung gefordert. "Das Gesellschaftssystem wird nicht von selbst gerecht, wir Sozialdemokraten müssen dafür sorgen", erklärte der SP-Chef vor den Genossen im Innsbrucker Congress. Ohne Vermögenssteuern würden die Reichen immer reicher und die Armen immer ärmer. Beinahe zeitgleich erteilte aber ÖVP-Chef Michael Spindelegger beim Parteitag der Kärntner ÖVP in Feldkirchen dem Ansinnen des Koalitionspartners eine Absage: "Wer nach den Millionären ruft, der hat uns im Visier. Das wollen wir nicht, weil Leistung und Eigentum müssen etwas zählen. Soweit wird es noch kommen, dass man sich genieren muss, dass man in einer Eigentumswohnung oder in einem eigenen Haus wohnt."

Löst Gerhard Reheis ab

Mayr löste am Samstag den geschäftsführenden Parteivorsitzenden und Klubobmann Gerhard Reheis ab, der im Juni 2012 das Steuer von Hannes Gschwentner übernommen hatte. Die zuletzt krisengeplagte und seit der Landtagswahl 2013, bei der die Roten in Tirol auf den historischen Tiefstand von 13,72 Prozent abgerutscht und aus der Landesregierung geflogen sind, in Opposition befindliche Tiroler SPÖ erhofft sich mit der Wahl des 49-Jährigen zum Parteichef einen Neustart. (APA, 28.6.2014)

  • Der neue SPÖ-Parteivorsitzende Ingo Mayr und der scheidende Parteivorsitzende  und Landtagsklubobmann Gerhard Reheis.
    foto: apa/zeitungsfoto.at /daniel liebl

    Der neue SPÖ-Parteivorsitzende Ingo Mayr und der scheidende Parteivorsitzende und Landtagsklubobmann Gerhard Reheis.

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