Blatter: Torlinien-Technologie auch bei EM 2016

28. Juni 2014, 09:44
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FIFA-Chef Blatter plauderte Pläne des europäischen Verbandes aus - Schweizer plant Einspruchsmöglichkeiten für Trainer

Rio de Janeiro - FIFA-Präsident Joseph Blatter hat in einer Video-Botschaft vermeintliche Pläne der UEFA zur Einführung der Torlinientechnik bei der EM 2016 ausgeplaudert. "Ich habe mit UEFA-Präsident Michel Platini gesprochen, er hat mir gesagt, dass er Goal-Line-Technology bei der Europameisterschaft 2016 einführen wird", sagte Blatter am Freitag (Ortszeit) in einem Interview auf der FIFA-Internetseite.

Platini hatte sich bisher vehement gegen die Technik und stattdessen für Assistenten hinter den Toren ausgesprochen. Die UEFA dementierte wenig später eine angeblich schon getroffene Entscheidung. Grundsätzlich ausgeschlossen wurde die Anwendung von Torkameras beim Turnier in Frankreich aber nicht. "Der Präsident hat offiziell gesagt, dass er eine Einführung bei der EURO 2016 erwägt. Jedoch ist das nicht mit einem Fingerschnipsen zu erledigen. Es wird im Schiedsrichterkomitee diskutiert werden und muss immer noch vom Exekutivkomitee bestätigt werden", sagte UEFA-Medienchef Pedro Pinto.

Blatter: Ligen werden folgen

Die erstmals bei einer Weltmeisterschaft angewandte Technologie funktioniere in Brasilien "gut" und helfe den Schiedsrichtern, betonte Blatter. "Ich bin mir sicher, dass Profiligen folgen werden." Der Vorstoß des Schweizers lässt Raum für Spekulationen. Im Mai 2015 könnten Blatter und Platini Kontrahenten bei der Wahl zum FIFA-Chef sein. Der Franzose will Ende August verkünden, ob er gegen den seit 1998 amtierenden Blatter antritt.

Dieser postulierte, man müsse bei der technischen Unterstützung der Referees "einen Schritt weiter gehen". Aus diesem Grund konkretisierte er seine Idee für eine weitere Revolution im Fußball: Der 78-Jährige will Trainern per Videobeweis zwei Einspruchsmöglichkeiten pro Halbzeit gegen Schiedsrichter-Entscheidungen gewähren. Dies solle nur möglich sein, wenn das Spiel bereits unterbrochen sei, erläuterte er. "Wenn es darum geht, ob es ein Elfmeter oder kein Elfmeter war, innerhalb oder außerhalb des Strafraums, ein Foul oder kein Foul, kann der Coach intervenieren."

Challenges

Der Unparteiische werde dann die Szene auf einem Monitor anhand der TV-Bilder beurteilen. Mit dieser Hilfe für die Referees solle es "mehr Gerechtigkeit" geben, erklärte Blatter und führte damit seine Idee vom vergangenen FIFA-Kongress weiter aus. Die Möglichkeit zu sogenannten "Challenges" haben Trainer schon in anderen Sportarten wie Hockey oder American Football. Das erstmals bei einer WM-Endrunde eingesetzte Freistoßspray sei inzwischen auch "akzeptiert".

Mit dem bisherigen Verlauf des Turniers in Brasilien zeigte sich Blatter insgesamt sehr zufrieden - auch weil es sich um den Sport drehe. Die Bevölkerung sei jetzt "mehr im Spiel als auf den Straßen. Sie sind mehr auf den Fan-Festen als auf Demonstrationen und das ist großartig", meinte der FIFA-Präsident. Und: "Wir müssen den Menschen Brasiliens für die Akzeptanz der WM danken." Beim Confederations Cup vor einem Jahr hatten noch Millionen öffentlich protestiert. (APA, 28.6.2014)

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