Wo die Zeit stillsteht

1. Juli 2014, 05:30
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Fernab von Autolärm, Internet und Telefon verbringt Peter Neuner seine Freizeit gerne in einem alten Bauernhaus mitten in den Bergen

Ich mache mich meist gegen neun, halb zehn Uhr morgens auf, um meinen ganz persönlichen Lieblingsplatz zu erreichen. Ausgestattet mit gutem Schuhwerk, öffne ich dann eine Tür in eine längst vergangene Welt. Außer meinem Haustürschlüssel nehme ich nichts mit auf meine Reise.

Mein kleines Paradies liegt fernab von Autolärm, Supermarktkassen-Gepiepse oder hektischen Workaholics. Es ist ein Ort, wo ich sein kann. Nicht erreichbar, weder übers Telefon noch übers Internet. Kein Facebook, kein WhatsApp, kein Twitter, keine Selfies ... nur ich und die Natur.

Mein Lieblingsplatz ist ein altes, wunderschönes Bauernhaus im tirolerischen Hochsöll auf circa 1.150 Metern: Genannt wird es die Simonalm. Mich dort ins hohe, frische Gras zu legen lässt mich den Alltag und meine Probleme vollkommen vergessen. Ich tauche ein in einen sorgenfreien, zufriedenen, naturbelassenen Raum, der mich entspannt und entschleunigt. Der unglaubliche Blick ins weite Tiroler Land, auf scheinbar unzählige Gipfel und Felsenwände, gibt mir das Gefühl von Freiheit.

Geschichten von früher

Die Zeit scheint rund um das alte Bauernhaus, am Fuße der Hohen Salve, stillzustehen. Mir kommt es jedes Mal fast so vor, als würde ich meinen Alltag mit Menschen tauschen, die weit vor mir gelebt haben. Das Haus ist gut 400 Jahre alt. Das sieht man nicht nur, sondern spürt es auch: verwitterte Bretter mit verspielten Verzierungen, die zierlichen, alten Fenster und die alte Haustüre mit ihrem verschnörkelten Türgriff.

Es lässt sich erahnen, wie das Leben hier gewesen ist - das Leben der Sennerinnen, der Bäuerinnen und Bauern, der Tischler, der Handwerker und Zimmerleute – früher, vor langer, langer Zeit. Fernab von Hashtags, Postings und Verlinkungen. Keine Mails checken, keine Postings liken oder Instagram-Bilder schießen - stattdessen wurde und wird hier oben Sinnvolles gemacht, und zwar nicht nur für Touristen, sondern auch für mich.

Es wird geerntet, und anschließend werden die Kräuter getrocknet, es wird gebacken, gemeinsam gegessen und getrunken. Und es werden dort oben Geschichten erzählt. Geschichten von früher. (Peter Neuner, derStandard.at, 1.7.2014)

Und jetzt sind Sie an der Reihe!

Zeigen Sie uns Ihren Lieblingsplatz - das muss nicht zwingend der Wohnort sein; es kann auch ein entlegenes Tal mitten im Nirgendwo sein, ein See oder eine Straßenkreuzung. Erzählen Sie uns, warum es gerade für Sie der ideale Ort zum Verweilen ist.

Schicken Sie uns Ihre Geschichte plus Fotos - Sie müssen auch nicht auf dem Bild zu sehen sein - an userfotos@derstandard.at. Wir basteln daraus Ihre ganz eigene Lieblingsplatz-Geschichte.

  • Artikelbild
    foto: peter neuner
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