Nigerias Präsident: Terror eines der "dunkelsten Kapitel"

27. Juni 2014, 19:44
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Goodluck Jonathan: "Wir werden es überwinden" - Land seit Monaten von Gewaltwelle erschüttert

Abuja - Bombenanschläge, Überfälle auf Dörfer, Massenentführungen - Nigeria wird seit Monaten von einer Welle der Gewalt der Boko Haram erschüttert. "Das ist eines der dunkelsten Kapitel in der Geschichte unseres Landes", sagte Präsident Goodluck Jonathan am Freitag in der Hauptstadt Abuja. "Aber ich bin sicher, wir werden es überwinden."

Häufig wurde Jonathan vorgeworfen, er reagiere zu zögerlich auf die Gewalt der radikal-islamischen Terrorgruppe. Nun steht er in einem Einkaufsviertel in Abuja, dem jüngsten Schauplatz eines Anschlags, für den Boko Haram verantwortlich gemacht wird. Seinen Besuch des Gipfeltreffens der Afrikanischen Union in Äquatorial-Guinea hat der Präsident dafür verkürzt.

"Sehr schmerzhaft"

21 Menschen wurden getötet, als zur Haupteinkaufszeit eine Bombe auf der beliebten Banex Plaza explodierte. "Es ist sehr schmerzhaft, dass zur gleichen Zeit, da Nigerianer hart arbeiten, um ihre Familie zu versorgen und ihre Kinder großzuziehen, andere planen, Menschen umzubringen", sagt Jonathan bedrückt. Noch immer liegen Trümmer auf dem Boden. Zerstörte Autos stehen am Straßenrand. Der Tatort ist abgeriegelt.

Der Bombenanschlag am Mittwoch war bereits der dritte in Abuja seit April. Mit Sprengstoff beladene Autos waren an einer Bushaltestelle und auf einer Straße am Stadtrand detoniert. 90 Menschen starben. Doch diesmal trafen die Attentäter die Hauptstadt mitten ins Herz.

Boko Haram sei noch schlimmer als der Biafra-Krieg, sagte Jonathan am Sonntag. "In einem Bürgerkrieg weißt du, wo die Kampflinie verläuft. Du weißt, wohin du wegrennen musst. Aber diesmal ist der Feind mitten unter uns." Ende der 1960er-Jahre wurde in dem Bürgerkrieg, in dem sich die Provinz Biafra abspalten wollte, rund eine Million Menschen getötet.

Boko Haram, deren Name "Westliche Bildung ist Sünde" bedeutet, hat 2009 eine Revolte gegen die Führung in dem ölreichen Land begonnen. Tausende Menschen wurden seither getötet. Im April verschleppten die Islamisten mehr als 200 Schülerinnen, sie sind noch immer in der Gewalt der Gruppe. Anfangs waren die Islamisten nur in ihrem Kernland im Nordosten aktiv, wo sie einen eigenen Staat errichten wollen. Nun weitet die Gruppe offenbar ihren Aufstand aus und nimmt ein neues Ziel ins Visier: die Hauptstadt. (APA/Reuters, 27.6.2014)

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