Sarah Wiener: "Hier essen wir nun einmal nicht Hund"

29. Juni 2014, 10:00
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Beim Stinketofu griff sie zu, im arschkalten Wasser wurde es schwierig: Die Köchin über ihre neue TV-Staffel aus Japan, China, Vietnam und Indien

STANDARD: Dass Indien ein kulinarisches Abenteuer ist, wird Ihnen manch Reisender bestätigen, der von Magen-Darm-Infekten geplagt wurde. Wie erging es Ihnen?

Wiener: Ich habe bei allem zugegriffen, was man mir hingehalten hat. Sowie die Leute gemerkt haben, dass ich Köchin bin, ist mir viel hingehalten worden. Ich habe brav alles geschluckt und wusste, mir wird nichts passieren. Und so war das auch.

STANDARD: Das heißt, Sie haben generell einen guten Magen?

Wiener: Na ja, ich hatte vor 25 Jahren in Vietnam schon einmal die Ruhr. Diesmal hatte ich wieder in Vietnam einen Schwächeanfall. Ich stand da mit einem Vietnamesen eine Stunde in diesem arschkalten Wasser. Als ich die mit Schlamm vollgesogenen Lotuswurzeln sah, da wusste ich: schwierig. Am nächsten Tag war es schwierig.

STANDARD: Nach Frankreich, Italien, Österreich steuern Sie nun Asien an. Ist Europa kulinarisch ausgereizt?

Wiener: Gar nicht, aber meine Grundidee noch vor den "kulinarischen Abenteuern" war eine Reihe mit dem Titel In 80 Speisen um die Welt, und ich wollte mit Asien anfangen. Den Produzenten war aber Frankreich lieber. Asien galt immer als unbezahlbar. Auf einmal lag es in der Luft.

STANDARD: Wie sind denn die asiatischen Abenteuer aufgebaut?

Wiener: Wir haben versucht, eine Verbindung zu den gängigen Bildern von den jeweiligen Küchen zu finden. Ob das jetzt Sushi, Tofu oder Vegetarismus ist. Gujarat ist zum Beispiel eine Hochburg der Vegetarier, also haben wir uns angeschaut, wie das jene machen, die sich nicht die ganze Welt importieren können wie wir.

STANDARD: Ein gängiges Bild ist der Hund in Vietnam. Probiert?

Wiener: Nein. Ich weiß, wie die Hunde vorher geprügelt werden, und sowenig ich ein gequältes Schwein esse, werde ich einen gequälten Hund zu mir nehmen.

STANDARD: Aber machen Sie sich's da nicht zu leicht? Schließlich ist der Hund auf dem Teller in Vietnam gar nicht so selten?

Wiener: Wir wollten die europäische Sicht von Speisen verfolgen, und hier essen wir nun einmal nicht Hund. Es ist auch nicht so, dass Hund Nationalspeise ist. Weder in China noch in Vietnam.

STANDARD: Die grässlichste Speise Asiens?

Wiener: In Japan aß ich Nare-Sushi mit einen Monat alter Makrele. Schlimm war der Stinketofu. Ich blöde Nuss habe das vorher probiert. Ich will ja den Gastgebern gegenüber nicht arrogant wirken und sagen, wie überhaupt nicht mir die Speise schmeckt, also würgte ich den Stinketofu vorher hinunter. Dummerweise wurde die Szene schließlich gar nicht gedreht.

STANDARD: Die beste?

Wiener: Es gibt eine Küche, die mir am besten gefallen hat, nämlich die chinesische. Wer in China nichts findet, kann sich gleich umbringen. Am enttäuschendsten fand ich Vietnam. Wahrscheinlich bin ich nicht objektiv, wenn ich sehe, wie in den Speisen esslöffelweise Glutamat versenkt wird.

STANDARD: Gibt's in Asien eine Slow-Food-Bewegung?

Wiener: Kaum.

STANDARD: Bräuchte es in Asien deren Ökobewusstsein?

Wiener: Ja. Die Chinesen sagen selbst: Du wirst hier vergiftet. Es wird gespritzt, es wird betrogen. Sie trauen ihrer eigenen Küche nicht. Du kannst dir ein Biozertifikat für ein paar Tausend Euro kaufen. Aber es gibt einige aufrechte Biobauern. Ich war bei einem, der lässt seine Produkte mit Mönchsgesängen bespielen, damit die Harmonie zwischen den Insekten und den Blumen wiederhergestellt wird. Das meinte er ganz ernst.

STANDARD: Spricht Sie das an?

Wiener: Ja, das fand ich toll. Die Idee, dass man mit allen Lebewesen sorgsam umgeht, scheint mir doch eine vernünftige zu sein. Und es zeigt mir, dass es hier eine Achtsamkeit gibt, die andere nicht haben. In Vietnam habe ich gesehen, wie Tiere behandelt werden, und das ist ziemlich weit weg vom Buddhismus. (Doris Priesching, DER STANDARD, 28.6.2014)

Zur Person

Sarah Wiener begann mit Filmcatering. Heute betreibt sie Restaurants in Berlin, Bremen und Hamburg. Ab Sonntag, 6. Juli, geht sie im ORF wieder auf kulinarische Abenteuerfahrt.

  • Fernsehköchin Sarah Wiener war in Asien "bei aufrechten Biobauern": Kaki-Ernte in Japan. Ab 6. Juli, sonntags 17.05 Uhr in ORF 2
    foto: orf/zero one film/arte g.e.i.e.

    Fernsehköchin Sarah Wiener war in Asien "bei aufrechten Biobauern": Kaki-Ernte in Japan. Ab 6. Juli, sonntags 17.05 Uhr in ORF 2

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