Knifflige Fragen rund um Hartmanns Vertrag 

27. Juni 2014, 17:31
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Am Freitag begann der Prozess, den das Burgtheater gegen den einstigen Direktor anstrengte 

Wien - Das Wort "knifflig", das Richter Wilfried Schwimmer am Freitag zu Mittag im Wiener Arbeits- und Sozialgericht verwendete, ist durchaus wohlgewählt. Denn es ist noch nicht einmal klar, ob die Klage des Burgtheaters gegen seinen Ex-Direktor Matthias Hartmann überhaupt zulässig ist.

Zudem gibt es Verflechtungen mit dem Prozess, den Hartmann gegen die Bundestheater anstrengte. Der ehemalige Geschäftsführer bestreitet die Rechtmäßigkeit seiner Entlassung am 11. März dieses Jahres und klagt auf Entschädigung. Die erste Tagsatzung fand, wie berichtet, am Dienstag statt.

Im zweiten Prozess ficht das Burgtheater die Verlängerung des ursprünglich bis Ende August 2014 laufenden Vertrages "wegen Irrtum und Arglist" an. Hartmann war es Anfang 2012, nach nur zweieinhalb Jahren, geglückt, dass Claudia Schmied, die damalige Kulturministerin, weiteren fünf Jahren zustimmte. Hätte man von den finanziellen Kalamitäten gewusst, wäre es, so die Begründung des Burgtheaters, nicht zur Vertragsverlängerung gekommen.

Kann aber eine solche überhaupt rückwirkend gelöst werden? Burgtheater-Anwalt Bernhard Hainz bejaht, zumal der Zeitpunkt des Vollzugs in der Zukunft liegt. Georg Schima, Hartmanns Anwalt, hingegen bestreitet die Möglichkeit einer Irrtumsanfechtung. Er wählte beim Prozessauftakt einen ziemlich missglückten Vergleich mit einer Billa-Kassierin, die sich bereichert habe. Dessen toughe Assistentin Katharina Körber-Risak stellte sogleich klar, dass aus der Analogie keine falschen Schlüsse hinsichtlich Hartmann zu ziehen seien.

Streit um zwei Millionen Euro

Es geht jedenfalls um viel Geld. Denn Hartmann klagte die Ausbezahlung seines Vertrags ein. Und da spielt es schon eine Rolle, ob ihm, falls er gewinnen sollte, das Gehalt für ein halbes Jahr oder für fünfeinhalb Jahre zu zahlen ist. Der Unterschied macht knapp zwei Millionen Euro aus.

Da eine einvernehmliche Lösung am Freitag nicht zu erzielen war, schloss Schwimmer die Verhandlung nach nur 25 Minuten. Das Burgtheater hat nun drei Wochen Zeit, neue Schriftsätze und Urkunden einzubringen. In der Folge hat Hartmann drei Wochen Zeit, darauf zu replizieren. Danach wird Schwimmer eine Entscheidung treffen. Er kann die Klage abweisen (dann würde sich Burg-Anwalt Hainz an die nächste Instanz wenden), er kann den Prozess unterbrechen (bis der andere ein Ergebnis bringt) - oder er kann das Beweisverfahren eröffnen. Im Herbst weiß man mehr.

Gegenwärtig ist zudem unklar, wann der Prozess fortgesetzt wird, den Silvia Stantejsky, die einstige Vizedirektorin der Burg, angestrengt hat. Die Parteien bringen Schriftsätze ein. Dem Burgtheater kommt dabei zupass, dass Hartmann seiner ehemaligen, ebenfalls gefeuerten Co-Geschäftsführerin Veruntreuung vorwarf. (Thomas Trenkler, DER STANDARD, 28./29.6.2014)

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