US-Filmemacher Robert Gardner gestorben

27. Juni 2014, 17:05
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Der bedeutende Dokumentarist ("Forest of Bliss"), Filmvermittler und Gründer des Harvard Film Study Center starb 88-jährig

Cambridge  – Er habe, schrieb Robert Gardner 1996 in seinem Essay The Impulse to Preserve, einst nicht mit dem Gefühl zu filmen begonnen, dass die Welt sonst ärmer wäre: "Es war vielmehr so, dass immerhin die Möglichkeit bestand, dass ich dann einen Grund haben würde, weiter in dieser Welt zu leben."

Mit einem solchen Filmemachen als Anteilnahme (und Teilhabe) lässt sich das Werk des 1925 in Boston geborenen Anthropologen Robert Gardner gut beschreiben: Insgesamt 29 Arbeiten führten ihn in viele Weltgegenden, von wo er das Material und die Eindrücke mitbrachte, aus denen er herausragende ethnografische Dokumentarfilme schuf – wie zum Beispiel Dead Birds (1964), River of Sands (1974) und Forest of Bliss (1986). Oder aufmerksame Beobachtungen künstlerischer Arbeit wie (mehrfach) jener von Sean Scully oder Mark Tobey (Mark Tobey Abroad, 1973).

Aktive Kamera

Gardner interessierte sich schon als Kind fürs 16mm-Equipment seines Vaters und veranstaltete Familienkino mit Laurel & Hardy-Filmen. Während Feldstudien begann er, eine Kamera einzusetzen. Ein Schritt, der anhaltende Reflexionen zu Ethik und Ästhetik des Dokumentarfilms bewirkte – Vorsätze wie die (mobile) Kamera als „aktiven Agenten“ einzusetzen, nicht als passiver Beobachter zu fungieren und sich auf einzelne Individuen zu konzentrieren.

Bereits 1957 gründete Gardner das Film Study Center an der Universität Harvard, „um Arbeiten zu fördern, die die Welt in Bildern und Tönen aufzeichnen und deuten“; bis 1997 war er dessen Leiter. Von 1972 bis 1981 produzierte Gardner die Fernsehreihe Screening Room, die im Zeichen der Vermittlung von Avantgardefilm und unabhängigem Kino stand und in rund hundert 90-minütigen Sendungen Filmschaffende und deren Werke vorstellte.

Gardner war mit der Psychiaterin Adele R. Pressman verheiratet, und hat mit ihr zwei Söhne. Wie nun bekannt wurde, starb Robert Gardner bereits vergangenen Samstag 88-jährig in Cambridge, Massachusetts. (irr, DER STANDARD, 28./29.6.2014)

  • Robert Gardner, 1983 in Indien.
    foto: www.robertgardner.net / akos ostor

    Robert Gardner, 1983 in Indien.

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